Samstag, 12. November 2011

Achtung Hochspannung!


 
Letzte Woche habe ich im Moosacher Anzeiger die Werbung für ein neues Fitnessstudio entdeckt. Genauer gesagt kein Fitness-Studio, sondern eine neue Einrichtung namens Body Street. Dort kann man sich jetzt mit der aktuellen EMS-Trainingsmethode fit machen.

Hier eine kurze Erklärung:
ElektroMyoStimulation wird in der Physiotherapie bereits seit Jahren erfolgreich zum Muskelaufbau angewendet. Das Prinzip ist einfach: Der Strom aktiviert und kontrahiert die Muskeln, die dadurch stärker werden. Der Vorteil liegt darin, dass alle Muskelgruppen gleichzeitig trainiert, die Impulse aber auch individuell geregelt werden können. Anhand von zehn Reglern kann man einstellen, wie stark der Strom in die jeweiligen Muskelgruppen fließen soll. Nach einer kurzen Anfangsphase, in der sich der Körper an den Strom gewöhnen kann, beginnt das Training: In Intervallen von vier Sekunden schießen die Elektroimpulse vier Sekunden lang durch den Körper , in dieser Zeit absolviert man dann die jeweiligen Übungen und arbeitet quasi gegen die aufgebaute Spannung.

Was mich angezogen hat, an der Anzeige, war die Schlagzeile:

Man kann mit 20 Minuten EMS so viel erreichen
wie sonst mit 8 x 45 Minuten herkömmlichem Krafttraining.

Wunderbar.

Es ist ja nicht so, dass ich noch nie im Fitnessstudio angemeldet war. Ich habe sie so ziemlich alle durch. Die ganz mondänen, wo man als Frau unbedingt modebewusst auftreten sollte. Hier ist es dann egal, ob man in dem schicken Dress trainieren kann. Wichtig ist, dass alles harmonisch aufeinander abgestimmt ist und man rein vom Outfit her so fit aussieht, als hätte man mindestens schon drei Trainingseinheiten hinter sich. Dass die einzige Trainingseinheiten im Stemmen von ebenfalls farblich aufeinander abgestimmten Energydrinks bestanden hat, muss ja niemand erfahren.

Auch die reinen Bodybuilding-Studios sind recht interessant, voraus gesetzt man steht auf animalische Stöhnkonzerte von Männern, die mehr Zeit vor dem Spiegel verbringen, als so manche Frau im Badezimmer.

Das Blöde an all diesen Einrichtungen ist, dass ich mich nach kurzer Zeit langweile und die Übungen nur noch automatisch und mit wenig Lust absolviere.

Eine Alternative wäre Nordic Walking. Für mich der Alibi-Sport schlechthin. Das Ganze kann man sehr schön im Olympia-Park beobachten. Hier schlendern den ganzen Tag Horden von Nordic Walkern hindurch, die mit hinterherziehenden Stöcken den neusten Klatsch und Tratsch austauschen. Natürlich ebenfalls in der Vollausstattung: zum Jogging-Anzug farblich passendes Stirnband (zum Simulieren des nicht vorhandenen Schweißes) mit bunten, schicken Turnschuhen, die wahrscheinlich noch nie etwas anderes als Gesprächstempo erlebt haben.

Zum Glück betrifft dies nur 80% der Nordic Walker, die Restlichen nehmen den Sport tatsächlich ernst und bei richtiger Ausführung bringt einem das sicher eine Menge. Ich halte es auch für sehr effektiv, kenne mich aber leider selber und weiß, dass es für mich ein reiner Sommersport wäre. Im Winter wenn es kalt ist oder vielleicht sogar noch schneit (das passiert in unseren Breitengraden ab und an) würde mich niemand auf die Straße oder sonst wohin bekommen. Also auch nichts für mich.

Mein innerer Schweinehund ist halt riesengroß, er hatte immerhin Zeit genug zu wachsen.



Wer kämpft schon freiwillig gegen so ein Monster? *g*

Deswegen hat mich ja die Anzeige so neugierig gemacht. 20 Minuten bekomme selbst ich hin und solange kann ich den Köter locker bändigen.

Allerdings bin ich auch von Natur aus misstrauisch gegenüber Werbeaussagen und –versprechen. So etwas überprüfe ich dann ganz gerne und da sowieso mein Urlaub vor der Tür stand, habe ich mich einfach mal zum Probetraining angemeldet.

Vorgabe der netten Dame am Telefon war:
Turnschuhe mitbringen, was Leichtes vorher essen und mehr nicht. Eigentlich keine Aufgaben, die schwer zu erfüllen wären.

Aber ich hatte ja nun Urlaub und endlich mal Zeit ein paar Dinge einzukaufen, die schon lange auf der Liste gestanden haben. Da das Einkaufszentrum in der Nähe des Studios liegt, habe ich beides schön verbinden können.

Kurz um, nachdem ich das Olympia-Einkaufszentrum der Länge und Breite nach durchforstet habe, bin ich total verschwitzt (…jetzt schon?) mit vollen Magen (…ist ein Kaiserschmarren mit Eierlikör und Mandeln nichts Leichtes?) und mit wehen Füßen (…komm, die Sonne scheint so schön, bis dahin kannst du doch kurz laufen) im Studio eingetroffen.

(Dass ich anstatt Begrüßung nicht „Wasser“ und „Stuhl“ geröchelt habe, sollte man mir schon anrechnen)

Nun wurde ich erst einmal sehr nett und kompetent über das eigentliche EMS-Training aufgeklärt, zusammen mit einigen grundlegenden Erkenntnissen zum Thema Fitness und Abnehmen. Letzteres ist dann schnell an meinen Ernährungsgewohnheiten gescheitert (--> siehe „Kochen, nein Danke“) und somit konnten wir anfangen.

Ich bekam einen netten schwarzen Dress gereicht und wurde damit in die Umkleidekabine geschickt. Meine Bedenken, dass mein nicht gerade feengleicher Körper in solchen enganliegenden, kurzen Sachen, kein anbetungswürdiger Anblick sei, wurde beiseite gewischt – sie hätten schon Schlimmeres gesehen (na, Gott sei Dank, da bin ich aber froh)
Ich hoffe, dass dies auch die vorbeilaufenden Fußgänger auf der Straße so sehen, da das Übungsgerät direkt vor der Schaufensterfront steht.

In der Umkleidekabine bin ich dann fast von einer Weichspüler-Welle erschlagen worden. Ist wahrscheinlich angenehmer bei so enger Kleidung, wenn sie nicht kratzt wie Sandpapier (wenn man nicht zu denen gehört, die ihren Weichspüler extra im DM-Markt kaufen, weil sie dort einen genialen „geruchslosen“ Weichspüler verkaufen)

Gut, ich stehe also in meinem nach Chemie duftendem, enganliegendem Trikot vor meiner Trainerin und sehe fasziniert zu, wie meine Trainingskleidung erst einmal nass gemacht wird. 

Ich erfahre, dass der Strom so besser durch die Haut zum Muskel geleitet wird. Hier frage ich mich zum ersten Mal, ob eine gesunde Neugier immer von Vorteil ist. Aber ja, Madam muß ja immer alles wissen und selber ausprobieren. Das habe ich nun davon.

Ich bekomme nun meine Weste à la „Mission Impossible“ angezogen, sie wird festgezurrt und durch Bein-, Arm- und Po-Manschetten ergänzt. Nachdem ich also aussehe, wie ein, in schwarze Kampfkleidung gepacktes, Michelin-Männchen kann es losgehen.

Der Strom wird nach und nach eingeschaltet, damit ich erst einmal ein Gefühl dafür bekomme.

Es beginnt erst langsam zu Kribbeln. Jede einzelne Körperpartie wird aktiviert und ich merke wie der Strom immer stärker wird und zum Schluss wie ein Wasserprasseln durch meinen Körper fließt. Etwas entsetzt stelle ich fest, dass ich nicht mal mehr die Hände zusammen bekomme um in die Grundstellung zu gehen.

Spannung soll ich aufbauen. 

Kann mir mal jemand erklären, wie ich das machen soll, wenn meine Glieder sich gerade selbstständig machen und mich nicht mehr als Chef der ganzen Maschinerie anerkennen???

Man kann.

Wir schalten den Strom noch einmal flacher, ich bekomme mit dem Gefühl des eben erlebten noch einmal alles erklärt und nun starten wir richtig durch.

Wir arbeiten uns von unten nach oben durch (oder war es umgekehrt?) und ich stelle fest, dass ich ein Weichei bin.

Das ist nun nicht die neuste Erkenntnis, kam aber in dieser Situation überraschend, da ich trotz alledem relativ schmerzunempfindlich bin und die Stromtherapie in der Physio (nach meiner Schulter-OP) immer als recht angenehm empfunden habe.

Hier kam ich allerdings in die Versuchung mit lautem Schrei 
„Ich bin schwach, holt mich hier raus“ zu flüchten.

Man kämpft quasi die ganze Zeit in 4 sek.-Abständen gegen die Impulse und schafft es manchmal kaum die erforderlichen Übungen durchzuziehen, da der Wiederstand so stark ist, dass man meint es nicht schaffen zu können. 

Wir haben dann an den schlimmsten Stellen den Strom etwas herunter gefahren und ich habe immerhin tapfer bis zum Schluss durchgehalten. 

Es ist nicht so, dass es weh tut, aber ich habe es einfach als unangenehm empfunden, weil man immer meint, da zerrt etwas an einem herum und kann nichts dagegen tun. Ich habe früher immer gerne die Augsburger Puppenkiste gesehen, jetzt durfte ich mal am eigenen Leib erleben, wie sich das Leben als Marionette anfühlt.

Vielleicht bin ich einfach zu sehr daran gewöhnt für die Bewegungen meiner Körperteile selber verantwortlich zu sein und dass da etwas mit mir geschieht was ich nicht beeinflussen kann (oder nur unter größeren Anstrengungen) ist einfach nicht mein Ding. Ich kann es nicht mal wirklich beschreiben.

Das mit dem Anfeuchten hätten wir uns übrigens auch sparen können. Nach gefühlten 5 Minuten gab es keine Stelle mehr an meinem Körper, die nicht nass geschwitzt war, so dass selbst die Wimperntusche verlaufen ist. Eitelkeit muss eben auch immer mal wieder bestraft werden.

Fakt ist, dass es mir trotz kompetenter Anleitung, bei der wir sehr viel Spaß hatten, nicht gelungen ist, mich wirklich auf die Übungen zu konzentrieren, weil ich die meiste Zeit nur an das Muskelzerren denken und dieses intensive Gefühl einfach nicht in die sportliche Richtung lenken konnte. Sollte allerdings innere Quengelei und Selbstmitleid das Trainingsziel gewesen sein, dann habe ich bestanden.

Das ist allerdings nur mein persönlicher Eindruck. Ich kann mir gut vorstellen, dass jemand mit mehr Willen und sportlichem Ehrgeiz hier wirklich sehr gute Trainingserfolge erzielen kann. Das Ganze ist recht einfach, man ist immer unter Aufsicht und nach 20 Minuten hat man das Gefühl einen Marathon überstanden zu haben. 

Wenn man zum Beispiel, so wie ich regelmäßig Schwimmen geht oder andere Sportarten betreibt, ist es zum Muskelaufbau sicherlich eine gute Ergänzung. Kurz und effektiv ist es tatsächlich und wenn die Trainer überall so nett sind, wie bei meinem Probetraining, dann macht es sicherlich auch viel Spaß. 

Probiert es ruhig einmal selber aus (kommt bitte nur nicht auf die Idee mich wieder mitzunehmen…)

Es hat auch nur drei Tage gedauert, bis ich meine geschundenen Muskeln zumindest wieder in Tastaturhöhe heben konnte, um euch von diesem hochspannungsgeladenem Ereignis in meinem Leben zu berichten. 

So kommt man schnell zu Haustieren, wenn sich der Schweinhund mit dem Muskelkater trifft – nette Gesellschaft, muss aber nicht wirklich sein. 

Ich bleibe beim Schwimmen, das macht immer noch Spaß und die ersten 6 Kilo habe ich damit auch vernichtet.

Mit diesem Fazit verabschiede ich mich dann auch und schalte den Strom ab...

*klick*

*Ende der Geschichte* 









Mittwoch, 9. November 2011

Was ist "Glück"?

 


Ich habe dieses Bild vor einigen Tagen bei facebook gesehen, von Kai Pflaume gepostet, der es irgendwo an irgendeinem Flughafen entdeckt hat. 

Meine erste Reaktion war natürlich spontane Zustimmung. 

Dann habe ich versucht darüber nachzudenken, was denn für mich Glück bedeutet und erstaunt festgestellt, dass diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten ist.

Ich glaube wenn man aufpasst und alles um sich herum bewusst wahrnimmt, dann entdeckt man jeden Tag etwas was einen glücklich macht. Für mich ist Glück all das, was mir ein gutes Gefühl verschafft, was mein Leben zufriedener macht, was mich zum Lächeln bringt oder mein Herz anstubst.

Ich denke (…also bin ich – nee, Quatsch, genug der Sprüche)

Ich denke, dass man vor allem sein Glück in den kleinen Dingen des Alltagslebens findet.
Ich habe ja schon erwähnt, dass ich eher ein positiver Mensch bin. Mir würden spontan viele Dinge einfallen, die ich mag, aber wirkliche Hass-Objekte… da müsste ich erst einmal überlegen (abgesehen von Rolltreppen-Runter-Läufern!). Vielleicht auch mal ein Blogthema: Was hasse ich wirklich?

Ich freue mich, wenn mir freundliche Menschen begegnen, die mich spontan auf der Straße anlächeln, oder ein nettes Gespräch in der U-Bahn oder beim Bäcker beginnen (ok, falsche Stadt, aber das Thema hatten wir schon *gg*)

Deswegen bin ich wahrscheinlich auch so ein stadtteilgebundener Mensch. Erst einmal die typische Wege und Geschäfte gefunden, genieße ich diese kleinen Gespräche, die dort entstehen. Mein Bäcker, wo ich jeden Morgen vor der Arbeit noch einen Kaffee trinke und lese, hat zwar nicht die leckersten Backwaren, aber man vermisst mich dort, wenn ich einmal Urlaub habe und fragt dann nach wo ich war.

Man baut kleine, leichte Beziehungen auf. Wie z.B. der lustige Lotto-Mann, der auch immer zur selben Zeit seinen Kaffee holt. Naja, ehrlich gesagt holt er sich einen Spritzer Kaffee zu seiner Zuckertasse, was ich jeden Morgen faszinierend finde. 

Hat aber zur Folge, dass ich dort nun ab und zu mal Lotto spiele und meine iPhone/iPad-Welt kaufe, obwohl ein Abo beider Zeitungen viel bequemer wäre. Die kurzen Minutengespräche machen einfach Laune und man fängt den Tag lächelnd an.

Das kleine Cafè in Moosach „Tirreno“ ist nicht wirklich gemütlich in der Ausstattung. Aber man kennt dort all meine Sonderbestellungen à la Sally und ich brauch kaum noch etwas zu sagen. 

Böse Zungen könnten jetzt behaupten, das zeigt einfach nur, dass ich ein langweiliger Mensch bin, aber was soll`s? Mich machen dieses kleinen Gewohnheiten glücklich mir geht es dabei gut und es verschafft mir ein beständiges Gefühl, welches auch ein wenig Heimatgefühl entstehen lässt und sei es nur in diesen kurzen Momenten.

Wenn dann noch die Sonne scheint und ich mich draußen hinsetze, mit einem gutem Buch – ja, dann bin ich glücklich.

Ich lache gerne. 

Da kann ein Tag so schlecht laufen wie er will. Irgendwann findet man doch etwas worüber man lachen kann und schon ist die Welt wieder rosiger.

Ein Gespräch mit guten Freunden zeigt einem, dass man beachtet wird, dass es Menschen gibt, die einen mögen. Das ist ein gutes Gefühl, selbst wenn es nur am Telefon ist, da meine besten Freunde alle weiter weg wohnen.

Ich habe mitten in einer „Wetten dass“-Sendung angefangen zu weinen, nicht weil die Gäste mal wieder sterbenslangweilig und uninteressant waren, sondern weil auf einmal drei junge Männer wie die Götter gesungen haben. Wie die ersten Töne erklungen sind, da sind bei mir die Tränen einfach nur geflossen, weil die Stimmen so kräftig und schön waren, dass ich es kaum ertragen konnte. Diese Reaktion hätte ich nicht im Traum erwartet, nachdem die drei, aussehend wie eine kleine Harry-Potter-Gang auf die Bühne gekommen sind. Ihr Name: Il Volo.

Ähnlich erging es mir mit Adoro und Il Divo. Beides Gruppen, die ich per Zufall entdeckt und gehört habe und nicht bewusst bestellt habe, wie zum Beispiel meine „Unheilig“-CD. 

Ich reagiere sowieso extrem auf Stimmen. Das funktioniert selbst im Radio, ohne visuellen Reiz. Auch das sind alles Momente, die mich glücklich machen.

Bei einem schönen Film zu weinen oder bei "Nur die Liebe zählt" (dazu stehe ich *g*), bei einem tragischen Film mitzuleiden, auch das macht mich glücklich. So gegensätzlich sich das auch anhört.

Ich glaube, dass einen die Intensität der dann empfundenen Gefühle zum Glücksichsein bringt. 

Zu spüren, ich fühle, ich lebe, da ist etwas was mich begeistert – auch das ist Glück.

Ein schönes Bild, ein tolles Foto, meine Lieblingsfigur Mickey Maus, die mich seit meiner Kindheit in vielfacher Form begleitet und umgibt – gehören auch dazu.

Aber auch so profane Dinge, wie ein ergattertes Schnäppchen, eine neue Handtasche (ein paar weibliche Gene stecken halt in jedem), ein Gewinn in irgendwelchen Spielen, das sind alles Dinge, die mich glücklich machen.

Also noch einmal:
Ich glaube wenn man aufpasst und alles um sich herum bewusst wahrnimmt, dann entdeckt man jeden Tag etwas was einen glücklich macht. Für mich ist Glück all das, was mir ein gutes Gefühl verschafft, was mein Leben zufriedener macht, was mich zum Lächeln bringt oder mein Herz anstubst.

Glück ist das, was man immer mal wieder zwischendurch empfindet, auch wenn nicht alles passt. Man muss sich nur aus all diesen kleinen Bestandteilen, sein eigenes Glückspuzzle basteln, indem man nach den richtigen Teilen sucht und sie dann sammelt. So schafft man sich sein eigenes Glück und muss nicht nach dem von anderen schauen. Ich muss nicht immer glücklicher werden, aber ich kann mein Puzzle Tag für Tag vergrößern und kann immer mehr Teile hinzufügen. 

Jedes dieser kleinen Teilchen hilft mir dann an Tagen, wo es nicht so passt.

Wenn man all dies zusammenfasst, dann würde ich sagen:

Ja, ich bin glücklich.











Dienstag, 8. November 2011

Neulich in der Telefonzentrale…

Ein von mir geführtes, kurzes Telefongespräch kann ich euch einfach nicht vorenthalten, da es einwandfrei zu meinen persönlichen Highlights gehören wird.



Anruf Frau X: 

Guten Tag, ich versuche Herrn Y eine Email zu schreiben, die aber immer wieder zurückkommt, da stimmt was nicht.

Das freundliche Zentralfräulein: 

Kein Problem, dann vergleichen wir einfach noch einmal die Email-Adresse, vielleicht klärt sich das dann schnell
(eine ehrliche Zuversicht aufgrund etlicher Erfahrungswerte…)

Frau X:
Die Adresse lautet: Herr Y@meineFirma

Das freundliche Zentralfräulein: 

Und dann die Endung „ .de „
Seltsam die Adresse stimmt eigenlich…
Frau X fällt mir ins Wort: 

Nein, 
„ .de“ habe ich natürlich weggelassen, 
ich habe die Email ja innerhalb von Deutschland verschickt, 
da brauch ich das doch nicht…

Ich gebe zu, ich bin selten sprachlos, aber hier war ich es *lach* 

Ich habe der netten Dame dann erklärt, dass die Email aber nicht weiß, in welchem Land sie gerade verschickt wird und dass man ihr das sagen müsse. 

Wir haben die Email dann noch einmal „gemeinsam“ verschickt und sie war glücklich, dass kein „Dämonen-Teufelchen“ einen Fehler gemeldet hat.

Es war ein so lustiges und nettes Gespräch, dass auch mein Tag gerettet war und ich die ganzen Reststunden mit breitem Grinsen an meinem Schreibtisch gesessen habe. 

Danke dafür an Frau X :-)





Samstag, 29. Oktober 2011

Zivilcourage kann jeder lernen!

Neulich beim Durchstöbern des Volkshochschulverzeichnisses habe ich den 

Polizei-Kurs für Zivilcourage & Selbstsicherheit

entdeckt und mich spontan angemeldet. 

Nachdem man immer mehr in der Zeitung von Übergriffen liest, die ganz „normalen“ Menschen passieren, dachte ich mir, kann es nicht schaden vorbereitet zu sein und zu wissen, wie man sich im Ernstfall verhält.

Zwei wichtige Regeln habe ich gelernt:

* Ich bin dafür verantwortlich mich möglichst so zu verhalten, dass mir nichts passiert und ich mich selber nicht zum Opfer mache.

* Gleichzeitig habe ich aber auch eine Verantwortung gegenüber anderen Menschen, die auf dem besten Weg sind Opfer zu werden - natürlich unter Berücksichtigung der ersten Regel, was sich aber nicht ausschließen muss.

***

Bestimmt hat jeder von uns schon mal Situationen erlebt, in denen man sich nicht wirklich wohl gefühlt hat. Mir geht es ständig so, wenn ich im Dunkeln durch unseren kleinen, dunklen Moosacher Tunnel gehen muss, oder wenn ich allein nachts an der Bushaltestelle stehe, weil ich gerade von einer Veranstaltung komme. Belebte Straßen, U-Bahnsteige oder S-Bahnhöfe, die im Hellen völlig ungefährlich wirken, werden nachts, wenn sich niemand sonst dort aufhält zur Grusel-Station und man fühlt sich unbehaglich. 

Auch Ansammlungen von Betrunkenen begegnet man normal mit Vorsicht oder wenn man sieht, wie sich kleinere Gruppen stark machen und anfangen Leute anzupöbeln geht man automatisch in Deckung.

Der Kurs soll einem die Angst davor nehmen. Man erfährt z.B. wie man sich verhält wenn einem etwas bedrohlich vorkommt oder wenn man selbst Ziel der Aufmerksamkeit wird.
Mag sein, dass jetzt der eine oder andere sagt: 

„Ich weiß mich schon zu wehren!“

Aber denkt man da wirklich dran, wenn es soweit ist? 

Und... wie konnte es dazu kommen?

Wir haben einen typischen Film zu sehen bekommen, wo eine Frau, die alleine unterwegs war in der U-Bahn und danach an der Haltestelle belästigt wird. Ich schreibe deswegen typisch, weil ich selber schon dutzende Male so eine Situation erlebt habe, zum Glück ohne Eskalation. Aber es reicht aus, sich Gedanken zu machen, was wäre wenn gewesen. Immerhin hat die Frau, genau wie ich meistens, einfach nur dagesessen mit einem Buch vor der Nase.

Hier setzt dann der Kurs an und wir erfahren…

… wie man Gefahren richtig erkennt

… wie man sich in Gefahrensituationen richtig verhält

… wie ich meine Stimme effektiv einsetzen kann

…welche Chancen der körperlichen Verteidigung ich habe

… wo Risikobereiche sein können

… was ist Notwehr, was ist Nothilfe – wie weit darf man da gehen ohne selber straffällig zu werden?

Alles Punkte, über die man sich normalerweise keine Gedanken macht.

„Warum sollte das ausgerechnet mir passieren?“
Stimmt.
Aber wenn doch…?

Was ist, wenn es nicht mir passiert, sondern ich es „nur“ beobachte?

Geht mich das was an? Soll ich mich selber in Gefahr bringen, nur um jemand anderem beizustehen?

Die Antwort ist, dass man auch für sich selbst eine Verantwortung hat und man sich selber nicht bewusst in Gefahr bringen sollte. Das verlangt aber auch keiner.

Niemand erwartet, dass man den Helden spielt (als jahrelanger Single weiß ich mittlerweile dass die Ritter in glänzender Rüstung seit Jahrhunderten ausgestorben sind *g*)

Aber etwas angehen sollte es mich schon. Warum?

Ganz einfach….

Wenn mir so etwas passiert, wäre ich auch über jede Hilfe froh.



Es verlangt ja niemand von mir, dass ich mich auf den muskelbepackten Betrunkenen stürze. Dass ich mich mit der Gruppe hormongesteuerter „Ich-kriege-auf-normalen-Weg-sowieso-keine-ab“ entgegenstelle und einen auf Retter der Nation mache.

Man sollte nicht den Täter direkt ansprechen, der sich dadurch vielleicht noch bestätigt fühlt.

ABER, ich kann das was da gerade passiert öffentlich machen. Ich kann laut zu verstehen geben, dass ich es mitbekomme. Ich kann auch dadurch dem „Opfer“ helfen. Falls möglich spreche ich weitere Umstehenden an, dass man gemeinsam etwas unternimmt.

Oft reicht es schon, auf den, der belästigt wird zuzugehen und ihn/sie in meinen Kreis einzubeziehen. Natürlich gilt das auch umgekehrt.

Wenn ich mich mit ängstlichem Blick auf den letzten und hinteren Platz in der U-Bahn oder den Bus setze oder mich an einer Haltestelle allein hinsetze, ist das einfach nicht besonders schlau. Für solche Situationen muss man lernen einen Blick zu bekommen. Ich muss lernen, Selbstsicherheit und gelassenen Ruhe auszustrahlen, den Pöbel anschauen und seinem Blick nicht ausweichen, ohne dass es provokativ wirkt. Ich kann bewusst die Nähe von weiteren Menschen suchen, die ebenfalls noch unterwegs sind.

Wir reden hier ja nicht über charakterlich ausgereifte, selbstbewusste Persönlichkeiten, sondern über feige Menschen, die nur Bestätigung bekommen, wenn sie sich an Schwächere vergreifen.

Laut Statistik, die mich wirklich sehr überrascht hat, werden über 60 Prozent der Angriffe und Belästigungen schon bei leichter Gegenwehr (deutliches Entgegentreten und laut äußern, dass man in Ruhe gelassen werden möchte) abgebrochen und der „Täter“ flüchtet. Bei deutlicher Gegenwehr sind es sogar über 85 %.

Egal, für was man sich entscheiden:

Falsch ist es in jedem Fall, nichts zu tun!“
 
Interessant war für mich auch meine Reaktion auf diverse Waffen. Ich habe festgestellt, dass es mir Unbehagen bereitet hat, sie auch nur anzupacken. Wir durften verschiedenen Waffen in die Hand nehmen und kennenlernen und ich weiß seitdem, dass ich ein ungutes Gefühl habe bei der Vorstellung eine Pistole oder ein Messer zu benutzen. Ich habe mich letztendlich für die gute, alte Trillerpfeife entschieden, die befindet sich seit heute in meiner Tasche.

Das letzte was ich gelernt habe, neben der Nutzung von Notfallnummern, Notrufsäulen usw. war die Information dass wirklich jeder Zeuge gebraucht wird und nützlich sein kann. 

Fragt man drei verschiedenen Zeugen, nach einer Beschreibung der Täter, bekommt man meist drei verschiedenen Beschreibungen. Vielleicht ist mein Hinweis ja der Entscheidende? Das weiß man nie vorher, aber man sollte es auch nicht ausschließen.

Ich habe auch schon einen oder zwei Vorfälle beobachtet und bin dann weitergegangen nachdem ich gesehen habe, dass die Polizei schon etliche Leute befragt hat, weil ich dachte: „Dann haben sie ja schon Zeugen“. Das nächste Mal werde ich mich ebenfalls anbieten, wenn ich etwas gesehen habe und meine Aussage trotzdem machen.

Selbst bei einem leichten Autounfall können Zeugen wichtig sein und helfen, wie sonst soll man seine Unschuld beweisen? Darüber wäre jeder von uns froh, wenn er in eine ähnliche Situation geraten würde. Soviel Zeit muss einfach sein.

Wenn die Welt um uns herum härter wird, müssen wir einfach schauen, dass wir es bestmöglich schaffen hindurch zukommen. Die Angst etwas Falsches zu tun, ist immer irgendwo im Hinterkopf und es ist auch nicht jedermanns Sache sich mit Fremden zusammenzutun und gemeinsam vorzugehen. Aber wenn es wirklich mal so weit ist, sollten wir uns genau daran erinnern und versuchen Zivilcourage zu zeigen, so wie wir es auch erwarten, wenn uns selber etwas passiert.

Ich habe mir das fest vorgenommen und ich hoffe, ich erinnere mich an alles  was man mir gestern Abend beigebracht hat, wenn ich mich selber in einer ähnlichen Situation befinde. 

Danke dafür an die beiden kompetenten und sympathischen Moosacher Beamten Herr und Frau… es war informativ und ich habe mich gut aufgehoben gefühlt. Ich würde mich jederzeit zu weiteren Kursen anmelden.


Zusätzliche Infos bekommt man z.B. hier: 


Aktion Tu-was mit passendem iPhone-App


Hier kann man z.B. in München buchen:


oder immer mal wieder auf die Veranstaltungshinweise der lokalen Zeitungen achten, wie hier z.B.:

Schreien, Treten, Stampfen

 

 

Sonntag, 23. Oktober 2011

Gut durch die Lesung gequatscht!


Ich bin eigentlich kein Fan von Lesungen, ich gebe es ja zu. 

In meinen 14 Buchhandelsjahren habe ich mich des Öfteren durch welche hindurchgeschlafen (mit offenen Augen selbstverständlich, ich bin ja gut erzogen) und somit genieße ich Lesungen mit Vorsicht.

Die Ankündigung über Facebook, dass Sebastian Fitzek nach München kommt, hat mich aber neugierig gemacht. Ich liebe die Bücher und durch seine emsigen Facebook-Aktivitäten ist er mir immer sympathischer geworden und hat sich vom Autoren im Hintergrund (welche ich eher selten bewusst wahrnehme) zum „realen“ Menschen entwickelt, auf den man immer mal wieder achtet.

Also habe ich mich letzte Woche kurzfristig entschlossen hinzugehen. Dank der schnellen und unkomplizierten Organisation des Krimifestivals konnte ich noch eine Karte ergattern. 

Als Single hat man den Vorteil, dass man immer noch irgendwo in der ersten bis dritten Reihe einen einzelnen Platz bekommt und somit konnte ich voller Vorfreude das schöne Ambiente der BMW-Welt genießen.

Pünktlich auf die Minute ging es dann los und Sebastian Fitzek erschien auf der Bühne. Von Anfang an war da eine Verbindung zum Publikum. Er ist gleich eingestiegen in eine muntere Begrüßung, obwohl er durch die vorzeitige Geburt seines Sohnes David eher alles andere war. Nachdem er sich selbst und seine Augenringe auf lustige Art und Weise entschuldigt hat, durften wir trotzdem einen sehr amüsanten und gar nicht müden Entertainer erleben, der das Publikum von Anfang an gefesselt hat.

Entertainer? Ich dachte er sei Autor? Sebastian Fitzek hat gezeigt, dass beides gut zu kombinieren ist. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck ich wäre in eine brillante Stand-Up-Comedy hineingeraten, eine Mario Barth-Show (den ich auch sehr mag) mit Niveau (das ist also durchaus als Kompliment zu verstehen)

Auf herzliche Art und Weise  durften wir an seinem Alltags- und Familienleben teilnehmen. Man konnte einfach nicht anders, entweder musste man lachen oder wollte ihn einfach nur knutschen. Nie habe ich bisher eine so amüsante Lesung erlebt, in der ich trotzdem so viel über den Autoren selber erfahren habe. Natürlich kannte man etliche Geschichten und Aussagen schon von der Fitzek-Homepage, aber aus seinem eigenem Mund zu hören hat dem Ganzen noch einmal eine völlig andere Qualität gegeben.

Selbstverständlich wurde auch vorgelesen und aus dem dazugehörigem Wasserglas getrunken, aber das waren eher so kleine eingestreute Pausen, die dem Ganzen dann doch den literarischen Touch gegeben haben.

Lange hat es ihn aber nie auf dem Autoren-Stuhl gehalten. Nach kurzer Zeit kam er immer wieder zum Publikum zurück, um weiter zu quatschen, was er mit Vorliebe macht und zwar ohne Ende –mehrfach von ihm selbst zugeben am gestrigen Abend. 


Wir durften erfahren, wo er seine Bücher schreibt (im Wintergarten mit Blick auf den Garten) was ihn anregt, woher er seine Ideen nimmt und wie sie sich entwickeln. 

Wir wissen jetzt auch, dass er seine Tochter am schnellsten schlagzeugspielend im Keller beruhigt, sein Sohn ein abhörsicheres Babyphone bekommt und er mit derselben verrückten Verwandtschaft leben muss, wie unsereiner auch.

Man kann es eigentlich gar nicht alles aufzählen oder beschreiben. Die ganzen kleinen Anekdoten und Beschreibungen muss man einfach aus seinem Mund gehört haben, um den Humor zu verstehen und um die Welle von Sympathie zu beschreiben, die beim Zuhören in einem entsteht. 


Egal, ob er nun über die Familie oder über das Schreiben erzählt, man könnte noch stundenlang zuhören und ich war überrascht, wie dann auf einmal die Zeit um war.

Ich hätte wirklich noch lange sitzen können und ich denke es ist jedem im Publikum so ergangen, dass man überhaupt nicht gemerkt hat, wie lange man schon zugehört hat.

Oh Verzeihung, das muss ich berichtigen: es ist "fast" jedem so ergangen.

Nachdem das Publikum auch Fragen stellen durfte, hat sich zum Schluss noch eine Dame gemeldet, die unbedingt ihre Enttäuschung zum Ausdruck bringen wollte. Sie bemängelte, dass man sich unter einer Autoren-Lesung etwas anderes vorgestellt und Herr Fitzek viel zu wenig aus seinem Buch vorgelesen hätte, weswegen sie ja eigentlich gekommen wäre und nicht um ihn reden zu hören. So unterschiedlich können die Meinungen also sein ;-)

Spätestens zu diesem Zeitpunkt habe ich verstanden, was Sebastian Fitzek damit gemeint hat, dass er viele seiner Charaktere im Alltagsleben finden würde, da man überall (mal mehr und mal weniger) von einer Menge verhaltensgestörter Menschen umgeben sei, die ihn immer wieder zu neuen Ideen anregen würden.

Aus meiner Sicht hat es somit eine Person gegeben, der die Lesung nicht gefallen hat und 699 Menschen in der ausverkauften BMW-Welt waren hin und weg und völlig begeistert – ich glaube mit so einer Statistik kann ein Autor leben.

***

Mein Wunschtraum wäre seit gestern Abend folgender:

Ein Sebastian-Fitzek-Blog aus seinem täglichen Leben

Es wäre sicherlich ein literarischer Genuss, zumal man ihn nun kennt und weiß, wie er dort stehen und erzählen würde – ich würde es täglich lesen, versprochen!


„Danke für ein herrlich, amüsanten Abend und für alle weiteren spannenden Bücher, die ich sicherlich alle lesen werde“









Sonntag, 25. September 2011

Facebook & Co. – was steckt dahinter?

Ich habe es nun geschafft mir den Film zur Gründung von facebook anzusehen und das Buch zu lesen.




Der Inhalt ist schnell erzählt, ich bemühe da mal ganz neutral den Klappentext:

>>>Das Buch Die Gründung von Facebook lieferte die Vorlage für den erfolgreichen Film The social network, der gleich mehrfach bei den Golden Globes (u.a. Bester Film) abräumte und für acht Oscars nominiert ist.

Mark Zuckerberg und Eduardo Saverin sind beste Freunde. Sie studieren zusammen in Harvard, lieben Mathematik - und können überhaupt nicht beim anderen Geschlecht landen. Als sich Mark eines Nachts ins Rechnernetz der Uni hackt, um ein Website zu programmieren, auf der man über die Attraktivität sämtlicher Studentinnen abstimmen kann, bricht der Server zusammen und Mark entgeht nur knapp dem Rausschmiss aus Harvard. Doch dies ist der Moment, der das Leben der beiden vollkommen verändert: Die Idee für Facebook wird geboren und eine unglaubliche Erfolgsgeschichte nimmt ihren Lauf. Jedoch überlebt die Freundschaft von Eduardo und Mark den Aufstieg nicht, sie fällt dem Ernst der Erwachsenenwelt, dem Geld und ihren Anwälten zum Opfer.

So erfolgreich Facebook heute Menschen miteinander verbindet, so endgültig hat es die beiden Freunde auseinander gerissen.<<<

Das Buch ist flüssig geschrieben, informativ und es scheint auf den ersten Blick gut recherchiert. Natürlich sollte man hier vorsichtig sein, da Mark Zuckerberg selber zu keiner Zusammenarbeit bereit war und die meisten Angaben vom Autor recherchiert oder aus Aussagen der früheren Freunde zusammengetragen wurden  (wobei die Betonung auf „frühere“ Freunde liegt und daher kritisch betrachtet werden sollten)

Ich habe mich auf Buch und Film gefreut, da ich selber Facebook-Nutzer bin und mich gerne dort aufhalte. Ich interessiere mich zudem für Erfolgsgeschichten. Vielleicht weil man hören will, wie es andere schaffen und weil man daran glauben will, dass so etwas möglich ist. Vielleicht hilft es einem zu sehen, dass man es durchaus schaffen kann, weil man sich selber dann auch mehr zutraut.

Aaron Sorkin, der das Drehbuch zu „The Social Network“ geschrieben hat, beschreibt es so: „Ich mag Menschen, die gut in ihre Job sind“ und so geht es mir auch, daher war ich neugierig auf die Story hinter Facebook.

An der Geschichte Mark Zuckerberg ist mir wieder einmal aufgefallen, dass Erfolg ganz oft mit fehlender sozialer Kompetenz zusammenkommt. Wenn es nur halbwegs stimmt, was in seiner Geschichte erzählt wird, ist er vor allem jemand, der einfach mal akzeptiert werden wollte. Jemand, der etwas schaffen wollte um aufzufallen und anerkannt zu werden. Er hat schon mal ein Millionenangebot von Microsoft ausgeschlagen, für ein kleines Programm, welches er dann umsonst, für jeden zugänglich ins Netz gesetzt hat. Das geht alles in dieselbe Richtung.

Ich stelle es mir schwierig vor, etwas konsequent durchzuziehen und Visionen zu realisieren, wenn ich dabei Rücksicht nehmen muss. Fängt man an, es einzelnen Menschen recht zu machen, wird das unendlich, je mehr Leute sich an einem Projekt beteiligen. Das kostet dann Kraft, Nerven und Energie. 

Ohne diese Energie und der ungeteilten Aufmerksamkeit und ohne eine große Portion Fanatismus, sind Visionen, die man nur selber im Kopf hat nicht zu schaffen. 

Also wird man sich irgendwann auf diesem Weg entscheiden müssen, wo man seine eigenen Prioritäten setzt. Will ich Freunde haben? Will ich beliebt sein? Oder will ich unbedingt etwas kreieren, allen Meinungen zum Trotz? Erfolg um jeden Preis?

Nicht immer, aber rückblickend gibt es schon eine Menge Erfindungen, Firmen, Projekte, die tausenden von Leuten nutzen. Rechtfertigt das den Weg dorthin?

Ich denke, wenn sich jemand selber für diesen Weg entscheidet, sollte man es ihm zugestehen. Jeder muss selber wissen, was ihm wichtig ist. Ich kann mir nicht vorstellen meine Freunde aufzugeben, aber ich habe auch noch nie etwas so Großes geschaffen, wie z.B. Marc Zuckerberg, Bill Gates, oder auch Steve Jobs.

Auch Bill Gates soll nicht gerade ein Sympathieträger sein. Zumal bei ihm im Gegensatz zu Mark Zuckerberg immer das Geld eine Rolle gespielt hat. Bill Gates hat ja nicht gerade mit wahnsinnigen Programmierleistungen aufwarten können, hat aber die Augen offengehalten und das was er gesehen hat für sich selber umgesetzt. Er ist in meinen Augen kein Computerexperte, aber ein genialer Marketing-Stratege, was ebenfalls eine Kunst ist. 

Aber aufgrund seiner Besessenheit anderen immer einen Schritt voraus zu sein, komme was wolle, wird er sicherlich keinen sehr großen Freundeskreis haben. In der Öffentlichkeit tritt er dann auch recht distanziert auf. Ich habe ihn in einigen der wenigen Interviews gesehen und fand ihn eher schüchtern.

Er hat es zumindest geschafft und will jetzt Gutes tun: sein auf 46 Milliarden geschätztes Vermögen soll wohltätigen Zwecken zugeführt werden, nach seinem Tod. Seine drei Kinder, sollen mit jemals 10 Millionen bedacht werden, damit sie ihren eigenen Weg finden und nicht alles in den Schoss geschoben bekommen.

(Das sind irgendwie andere Dimensionen – ich zumindest würde meinen Weg mit 10 Millionen auf jeden Fall finden *grins*)

Steve Jobs hat ebenfalls immer konsequent seine Visionen verfolgt und schon fast bis zum Verfolgungswahn darauf geachtet, dass ihm niemand zu nahe dabei kam. Apple war sein Leben, auch er selber war dabei zweitrangig, was ihm letztens etliche gesundheitliche Einbußen gebracht hat, die ihn 2011 auch zwingen zurückzutreten. Ich hoffe für ihn, dass es noch nicht zu spät ist und er noch lange stolz auf sich sein kann.

Stephen Hawking, der klügste Mann der Welt, ein genialer Wissenschaftler, fällt ebenfalls in diese Rubrik. Angeblich ist die Einzige, die es mit ihm überhaupt aushält seine langjährige Haushälterin.

Genie und Wahnsinn scheinen also nah beieinander zu liegen, aber wie schon zuvor erwähnt, werden so oft wunderbare Dinge geschaffen. Solche Menschen bringen uns weiter und sind an unserer Zukunft aktiv beteiligt. Sollte man sie dann wirklich nach ihren Charakteren beurteilen?

Auf einem der Kinoplakate zum Facebook-Film stand:
Du kannst keine 500 Millionen Freunde haben
ohne dir ein paar Feinde zu machen“

Das passt ganz gut zum Thema. 

Das Faszinierende ist meiner Meinung nach, dass ausgerechnet ein Einzelgänger und Egomane wie Mark Zuckerberg das weltweit größte soziale Netz auf die Beine stellt und es ganz nebenbei zu einem Millionenschweren Unternehmen ausbaut, was gar nicht seine Obsession war. 

Da ist es mir dann völlig egal, ob ich nach einem Abendessen mit ihm genervt nach Hause gehen würde. Ich muss ja nicht mit ihm leben.

Aber ich lebe gerne mit dem was er und seine Mitvisionäre uns gegeben haben. 

Das reicht mir. 

Ich bin halt ein ganz einfacher, genügsamer Mensch ;-)