Sonntag, 27. Januar 2013

eBooks oder die Metamorphose eines Bücherwurms


Vor etwas mehr wie einem Jahr, habe ich folgenden Blogeintrag geschrieben:

Das gedruckte Wort – vom Aussterben bedroht?



 Nun ja, was soll ich sagen? 
Was interessiert mich der Quatsch, den ich gestern erzählt habe? 

Ganz so einfach ist es nicht.





Als gelernte Buchhändlerin und leidenschaftliche Leseratte war ich den Umgang mit Bücher mein Leben lang gewohnt.

Bis dato konnten mich die eBook-Reader einfach nicht reizen, weil sie mir zu unkomfortabel waren. Ich habe mein iPad und damit brauche ich eigentlich kein zusätzliches Lesegerät. Vor allem keines, wo ich vom Handling her wieder Rückschritte machen müsste. Dachte ich zumindest. 

Auf einmal wird da ein Gerät auf dem Markt angeboten, welches nicht nur per Touchscreen zu bedienen ist, sondern das Ganze ist auch noch beleuchtet und wiegt etwas über 400 Gramm. Der richtige Zeitpunkt, um noch einmal darüber nachzudenken. 

In unserem Lesekreis war gerade kein Buch im Umlauf, ich hatte daher einen spannenden Titel auf dem iPad gelesen und konnte es nicht aus der Hand legen. Nach 5 Stunden lesen wusste ich kaum noch, wie ich das Gerät halten sollte und die Augen haben mir auch leicht gebrannt.

Nach einer Fortsetzung des Titels suchend, bin ich bei Amazon direkt auf der Startseite gelandet. Mitten hinein in die Werbung für die neuen eBook-Reader. Logisch, kurz vor Weihnachten, Hauptwerbezeit, da gab es kein Entkommen.

Neugierig wie ich bin, habe ich zumindest mal  einen Blick riskiert. Das Feuer des Kindle-Fire hat mich leider nicht erwärmen können, ich hatte ja das iPad. Aber die Beschreibung des neuen "Paperwhite" hat sich wirklich klasse angehört.

Ich gebe zu, es hat mich gereizt. Meinen schmerzenden Nacken reibend habe ich mir die technischen Daten durchgelesen und war positiv überrascht, wie sehr sich Amazon da in eine Richtung entwickelt hat, die man wirklich schon komfortabel nennen konnte. Ich hatte auch noch einen Gutschein hier liegen, den ich noch nicht eingelöst habe. Machen wir es kurz. Ich habe zugeschlagen.

Da ich im Besitz mehrerer Geräte war, womit ich immer und überall ins Internet kann, hat mir die günstige Ausführung über WLan vollkommen gereicht. Nun doch voller Vorfreude, habe ich auf den Bestellbutton geklickt und es war vollbracht.

Die Vorfreude wurde dann ein wenig gedämmt, durch die Bestellbestätigung, auf der es dann hieß: „Lieferdatum 03.01.2013“.

Nun habe ich ein Jahr für die Entscheidung gebraucht und wenn es dann soweit ist, dann können die gar nicht liefern? Ich kam mir vor wie an der Startbahn stehend und keiner gibt den Startschuss ab.

Dazu sollte man wissen, das Warten nicht gerade zu meinen Stärken gehört. Ich würde jetzt nicht so weit gehen und mich als ständig ungeduldig beschreiben, aber meistens trifft das leider zu. Oft geht es mir so, dass ich lange überlege und sämtliche Für und Wieder Revue passieren lasse, aber wenn diese Phase abgeschlossen ist, dann muss es auch losgehen. Immerhin muss ich die Zeit, in der ich solange überlegt habe, wieder reinholen.

Naja, ich bin ehrlich: auch wenn ich nicht lange überlegt habe, warte ich nicht gerne. Es ist einfach vertane Zeit und man könnte doch schon längst was tun, anstatt zu warten. Aber andere eBook-Reader hatte ich mir angesehen, die fand ich weder schön, noch gut zu bedienen, c`est la vie.

Vielleicht hatten sie Mitleid mit mir, ich weiß es nicht. Aber meine Unruhe und Rumzappelei hatte dann doch schon am 11.12. ein Ende und ich bekam meinen ersten eBook-Reader. 
Hurra.

Noch am selben Abend habe ich mir die ganzen Bücher überspielt, die ich vorher schon kostenlos gesammelt habe und am nächsten Tag ging es gleich los mit dem Flieger nach Düsseldorf.

Handgepäck. Noch so ein Horror-Wort.

Eigentlich nicht so sehr, das Wort Handgepäck, aber die 20 Kilo, die es beinhaltet.
Wie soll eine normale Frau, Hochzeitsgeschenke, das passende Outfit, sowie Übernachtungsutensilien in eine Tasche bringen die dann 20 Kilo nicht überschreiten darf? Ganz abgesehen von meiner Leica-Kamera, dem iPad und Kleinkram den ich brauchen würde, da ich ja immerhin auch für die Fotos zuständig war. Ich warte nun mal nicht gerne am Gepäckband. Wer hätte das jetzt vermutet?

Hier kam mir zum ersten Mal der leichte eBook-Reader wie ein Geschenk Gottes vor. Zumindest um das Gewicht meiner Reiselektüre musste ich mich jetzt nicht mehr kümmern.
Das war ja schon eines meiner Argumente im vorherigen Blog-Eintrag, dass es für jeden Urlaub die optimale Lösung ist. Kein zusätzliches Gewicht mitschleppen, aber trotzdem immer eine Auswahl mehrerer Bücher parat haben. Der pure Luxus.




Nach diesem guten Start, sind wir dann sehr schnell Freunde geworden.

Ich habe mein eBook mittlerweile überall dabei. Selbst dort, wo ein Buch früher zuhause geblieben ist: zum Sport, zum Einkaufen, bei Verabredungen…

Das kleine Teil fällt weder in der Handtasche auf, noch in meinem Einkaufsbeutel.

Wer nimmt schon ein Buch zum Einkaufen mit? Immerhin bin ich ja nicht Catwoman und habe ungeahnte Kräfte. Mir reicht das Gewicht der Einkaufstüten, da muss ich nicht noch zusätzliches Gewicht mitnehmen und darauf aufpassen. Doch wer kennt das nicht? Ausgerechnet bei solchen Touren, fällt dann mal wieder die U-Bahn aus und man hockt an der Haltestelle vor sich hin und wünscht sich dringend Ablenkung.

Beim Sport muss ich kein Buch in der Tasche haben, wo dann das nasse Handtuch und der Badeanzug dazukommen. Das eBook passt allerdings noch in die kleine Seitentasche.

Bei Verabredungen kommt jemand unverhofft zu spät, im engen Bus hat man keine zwei Hände frei… es gibt mittlerweile so viele Situationen. Es ist einfach unheimlich praktisch.

Auch längere Leseaktionen im Bett und auf der Couch werden wieder bequemer. Ich kann mich drehen, rekeln und verkriechen, wie ich auch will, ohne eine Zeile zu verpassen. Durch das beleuchtete Display bin ich von keiner Lampe mehr abhängig und muss nicht immer darauf achten im Licht zu bleiben. Hinweg die Leselotte und die Leselampen – hier kann ich liegen wie ich will. Ich darf.

Frühstücken im Bett wird wieder einfach, frühstücken morgens beim Bäcker auch.

Klar. Natürlich kann man warten, bis die Brötchen geschmiert sind und logisch geht so etwas auch mit einem Buch. Vielleicht ist ja nur mir immer der Salzstreuer umgefallen und ins Buch hinein, den ich zum Beschweren der Seiten benutzt habe, damit sie nicht umschlagen. Andere sind da sicher geschickter.

Verflixt, wo ist nun schon wieder mein Lesezeichen hin? Gerade war es doch noch da.

Mein eBook klappe ich zu und beim nächsten Aufklappen kann ich sofort weiterlesen.
So kann ich auch mehrere Bücher gleichzeitig lesen ohne viel Aufwand. 
Gut, wer will das? Ich manchmal schon.

Über das Leben von Unheilig, habe ich gleichzeitig die Autobiografie und die autorisierte Biografie von einem Autoren gelesen, den ich auch persönlich kenne.

Das war interessant. Ich bin da Lebensabschnitt für Lebensabschnitt durchgegangen und konnte lesen, wie der Graf es selber empfindet und wie es auf andere gewirkt hat. Zwei verschiedene Bücher hätte ich mit ziemlicher Sicherheit nicht mitgenommen und neben einander gelesen. War aber mal etwas anderes.

Manchmal nehme ich ein gutes Buch morgens mit auf den Weg und abends wenn ich von der Arbeit komme, habe ich gar nicht den Kopf frei um mich darauf zu konzentrieren. Das ist ab jetzt auch kein Problem mehr. Ich habe dafür kurzweilige Titel auf meinem Reader, lustige Bücher, bei denen man nicht denken muss, die mich einfach nur zum Lachen bringen. Zwischendurch entspannt das ungemein.

Man hat eigentlich immer eine Bibliothek dabei und entscheidet selber für den Augenblick, was man gerne lesen würde. Das ist wie Musik hören, da ist man auch oft von seiner Stimmung abhängig.

Ist jetzt nichts was sein muss, früher bin ich auch mit einem Buch ausgekommen. Aber eben nicht immer. Und nicht so einfach.

Kein Kampf mehr um die einzige Laterne abends an der Bushaltestelle oder um den Sitzplatz, der sich nicht unter der kaputten Lampe befindet (die werden vermutlich erst ausgetauscht, wenn alle zusammen nicht mehr gehen und der Busfahrer die Fahrscheine nicht mehr erkennen kann)

Das Schriftbild ist klarer und leichter zu lesen, als eine echte Buchseite – meine Augen beten mich seitdem an und lieben mich dafür.

Kein vorsichtiges Lesen mehr und umgehend mit dem Buch, damit es hinterher noch gut aussieht.

Ich könnte noch endlos schwärmen.

Fakt ist, ich lese seitdem wieder viel mehr.

Das liegt auch daran, dass ich es mir nicht leisten kann, jedes Buch zu kaufen, an dem ich interessiert bin. Soviel Geld bei meiner Lesegeschwindigkeit habe ich einfach nicht. Ich bin ja nicht Mrs. Rockefeller.

Aus diesem Grund bin ich immer in mehreren Lesekreisen angemeldet, in denen Bücher untereinander getauscht oder verliehen werden. Das schont den Geldbeutel und man lernt jede Menge netter Bücherwürmer kennen. Das Verschicken der Bücher untereinander war bisher immer ein geringer Aufwand, denn ich gerne in Kauf genommen habe. In letzter Zeit hat es aber oft gedauert, bis Neuheiten herum gewandert sind und Titel von meiner eigenen Wunsch-/Leseliste haben sich nur langsam abgebaut. Ältere Titel habe ich zum Teil gar nicht mehr finden können.

Aber siehe da: etliche von ihnen sind auch schon „übergelaufen“. Nachdem wir festgestellt haben, dass sich eBook-Dateien prima untereinander verschicken lassen und es zudem zahlreiche Seiten gibt, wo eBooks kostenlos angeboten werden, bin ich fast im Bücherwunderland. Ich konnte alle meine Wunschlisten löschen, es stehen jetzt nur noch Titel darauf, die noch nicht erschienen sind.

Der Jäger und Sammler in mir ist wieder erwacht. In einer 34 m²-Wohnung verlieren sich solche Urinstinkte ganz schnell, wenn man vor der Wahl steht, Kühlschrank oder Buchregal.

Jetzt kann ich wieder sammeln. Autoren, Serien, ganz wie mein kleines Herz begehrt.

Wenn das so weiter geht, bin ich die Erste, die in der Schlange steht, wenn es eBooks mit noch größerem Datenspeicher gibt.

So schnell kann das gehen.

Auf einmal lesen auch Menschen in meinem Umkreis, die früher selten ein Buch in die Hand genommen haben. „Das ist jetzt so praktisch“ bekommt man zu hören.

Ja, das ist es.

Ich mag die sanfte Berührung mit der ich die Seiten umblättere. Ich liebe die Leichtigkeit mit der ich das „Buch“ halte. Ich lese wieder mit Lust, weil mir dieses neue Medium Spaß macht und konsumiere den Inhalt nicht einfach nur.

Kurz um, ich bin ein Fan geworden in kürzester Zeit und mein größtest Problem ist nur noch:
Wer schenkt mir die Zeit
all diese schönen, neuen Bücher zu lesen?







Als Musik meine Sprache wurde - Unheilig

Tief beeindruckt habe ich vor einigen Tagen ein Buch aus der Hand gelegt, welches ich euch nicht vorenthalten möchte:


Geschrieben wurde es vom „Grafen“, dem Mann, der „Unheilig“ zu einem festen Bestandteil in den heutigen Charts gemacht hat.




Ich selber bin auch erst zu seiner Musik gekommen, nachdem er schon stramm die Erfolgsleiter hinaufgestiegen ist. Ich kann mich noch genau an das erste Mal erinnern, wo ich ein Lied von „Unheilig“ gehört habe. 

Es war frühmorgens im McCafè, zu einer Zeit, wo ich gerade noch den Text meines Buches, denn Geschmack meines Kaffees und sonst gar nichts wahrnehme. Die letzten Minuten vor der Arbeit, da ist noch einmal Abschalten angesagt und das lasse ich mir normal nicht nehmen, auch nicht durch die Leute oder das mitlaufende Radio im Hintergrund.

Auf einmal drang eine Stimme zu mir durch. Eine Stimme, die mich aufblicken ließ, weil ich mich auf einmal unheimlich geborgen gefühlt habe, fast wie in einer festen Umarmung von einem guten Freund. Ich konnte noch gar nicht auf den Text achten, weil dieses Gefühl so stark war, dass ich selber etwas überrascht war. Dann habe ich auf die Worte gehört und habe versucht sie mir zu merken. Ich musste sie mir merken, denn ich wollte unbedingt herausbekommen, wen ich da gerade höre.

Im Büro habe ich dann ungeduldig auf meine Arbeitskollegin gewartet, ein wandelndes Musiklexikon, der auch schon Bruchstücke reichen um dir Titel, Interpret und alles was du sonst noch wissen willst, zu sagen. Und so habe ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit „Unheilig“ gemacht und dem Song „Geboren um zu leben“.

Wie viel Erfolg der Graf heute mit seinen Liedern hat, dürfte jedem Radio-Hörer aufgefallen sein und auch im Fernsehen ist er oft präsent, bei Auftritten oder Preisübergaben.




Wie schwer es sein kann, etwas umzusetzen, was man seit der Kindheit als Wunsch verspürt. Immer wieder gegen die Umstände, gegen das Unverständnis seiner Umgebung 
anzukämpfen und doch dabei zu bleiben, an seine Wünsche zu glauben – das erfahren wir in seinem Buch.

Vom damals schon einfühlsamen „Herumklimpern“ auf der Heimorgel, bis zum anerkannten Berufsmusiker. Er beschreibt seinen Weg dorthin genauso gradlinig und ehrlich, wie man es aus seinen Texten kennt.

Mich hat das Buch sehr beeindruckt. 

Wie es jemandem gelingt immer wieder die Stärke aufzubringen seinen Weg zu gehen, obwohl er manchmal selber der größte Zweifler ist. 

Immer wieder aufstehen und sich neue Ziele setzen, trotz aller Rückschläge durchzuhalten und wieder aufzustehen. Wer wünscht sich nicht diese Kraft?

Es ist oft ein Weitergehen, ohne an sich selbst zu glauben, nur gestärkt durch den Wunsch es doch noch zu schaffen. Ich kann das gut nachvollziehen. Jeder von uns war sicher mal in ähnlichen Situationen.

Oft waren es Dinge, die er gar nicht selber beeinflussen konnte. Er hat trotzdem den Mut gehabt, sich diesen Problemen zu stellen. Immer wieder gestärkt durch die Unterstützung von Freunden und seiner Familie. Auch dazu gehört Kraft, sich am Tiefpunkt hinzustellen und zu sagen: Ich brauche euch, bitte seid da für mich.

Ich habe gelesen, dass der Graf nicht gerne über seine Sprachstörung in der Öffentlichkeit spricht. Ich bin froh darüber, dass er es in seinem Buch doch zum Thema gemacht hat. Hätte ich sonst erfahren, dass ich denselben Fehler wie wohl viele gemacht habe? Ich bin auch schon Menschen begegnet, die gestottert haben. Auch ich wollte Ihnen helfen und es leichter machen, indem ich die nicht gesprochenen Worte gesagt und die Sätze vervollständigt habe. Es tut mir leid, aber auch ich wusste es nicht anders. Ab jetzt werde ich es nicht mehr tun. Danke dafür.




Im Grunde kennt man sein Leben. Man hat von all seinen Höhen und Tiefen in seinen Liedern erfahren. Ich habe mittlerweile viele alte Titel gehört und in meine Musikbibliothek aufgenommen. Vor allem aus der Zeit, bevor ich „Unheilg“ kennenlernen durfte. 

Ich beschäftige mich selten mit Musiktexten, sondern lasse mich meist nur von den Melodien tragen, je nach Stimmung. Das hat sich durch die Musik des Grafen geändert. 
Hier höre ich zu und erkenne eigene Gefühle in seinen Texten. Liest man seine bisherige Lebensgeschichte, erfährt man auch von seinen Gedanken, wie die Lieder entstanden sind und was sie ihm bedeutet haben.
***
Man erfährt aber noch einiges mehr. Man erfährt, dass der Graf nicht vergessen hat, wie ihm immer wieder Freunde, Fans und viele andere Menschen beigestanden haben. Es spricht für ihn, dass er auch davon etwas zurückgeben möchte. 

Ich finde es nicht selbstverständlich, dass sich jemand trotz aller Erfolge und den damit verbundenen Zeitproblemen, Zeit nimmt um anderen Menschen zu helfen. 

Dass er dies wirklich tut, wissen wir aus zahlreichen Presseberichten. Es passt zu ihm und zu dem was ich bisher gelesen habe. Besonders beeindruckt haben mich die Nacht im Sterbehospiz, der sicher noch einige gefolgt sind und seine zahlreichen Besuche in Krankenhäusern.

Somit wäre „Die Grafschaft“ auch für mich ein Projekt, wo ich mir vorstellen kann zu helfen, wenn in meiner Nähe eine Veranstaltung geplant wäre. 

Ich bin eher nicht der Spendentyp, von daher haben mich die Schilderungen im Buch nicht gewundert, dass viele Hilfsorganisationen die Anfragen eines damals unbekannten Musikers abgelehnt haben, helfen zu wollen und Konzerte in deren Namen zu geben. Ich hoffe, dass einige davon auch das Buch lesen und sich heute ärgern, dass sie die Chance verpasst haben, den Grafen und Unheilig hinter sich stehen zu haben. 

Dieses Glück hat nun die Organisation „Herzenswünsche“, welche der Graf mit großem Engagement unterstützt. Nicht selbstverständlich in der heutigen Zeit und Glamourwelt, daher möchte ich es auch nicht unerwähnt lassen.

Abschließend sei gesagt, dass ich an seiner  bisher größten Veranstaltung teilnehmen durfte (das zu lesen hat mich sogar ein wenig stolz gemacht, ich gebe es zu…) , dem Konzert im Olympiapark München. Hier sind auch die Bilder entstanden, die ich selber aufgenommen habe. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein.

Jeder, der die Echo-Verleihung gesehen hat, weiß, dass der Graf in einer Kindersendung Pate gestanden hat für eine junge Künstlerin: Sarah Pisek.

Im Konzert im Olympiapark durften wir den ersten großen Live-Auftritt von Sarah miterleben. Die anfängliche Stimmung würde ich mal mit „gespannt, großzügig“ bezeichnen. Jeder wollte der jungen, blinden Frau eine Chance geben, denn immerhin trat der Graf für sie ein. Trotzdem nahmen viele die kurze Pause, um schon mal schnell über das geniale Konzert zu sprechen oder sich zu recken und zu strecken. Bis Sarah dann anfing zu singen. Auf einmal war es mucksmäuschenstill im ausverkauften Stadion und alle waren gefangen von ihrer klaren Stimme. Es war Gänsehaut pur und der tosende Beifall danach hat nicht nur Sarah umgehauen, da bin ich mir sicher.

Es war nicht die letzte Gänsehaut, die ich im Zusammenhang mit dem Grafen und Unheilig haben werde. Solange wie es ihn und seine tiefgehenden, ehrlichen Lieder geben wird, werde ich ihn begleiten.

Da bin ich mir sehr sicher.




News über Unheilig findet ihr hier:

Bestellen könnt ihr die Musik hier:


Wer lieber hört, als zu lesen, für den gibt es das Buch auch als Hörbuch:



Montag, 17. Dezember 2012

Wann gibt es endlich gute Ärzte auf Rezept?



Es war einmal... dummerweise kommt jetzt kein Märchen. Aber es war einmal eine Woche Ende Mai, in der ich beschlossen habe meine Schmerzen im  Fuß nicht mehr zu ignorieren, sondern brav zum Arzt zu gehen. Schmerzen werden von mir meist nach dem Prinzip des Aussitzens behandelt, das ist effektiv, funktioniert in den meisten Fällen und spart Praxiskosten (gut, das zumindest zählt bald nicht mehr als Ausrede)

Leider funktioniert das System nicht immer....

Mein netter Hausarzt hat dann auch gleich zum Messer gegriffen, er war sich wohl darüber im Klaren, dass ich so schnell nicht wieder komme, wenn er keine Sofortmaßnahmen ergreift. Zwei kleine Minikieselchen wurden kurzerhand entfernt, aber sicherheitshalber hat er mich gleich mal zum Orthopäden überwiesen, mit dem Verdacht auf Fersensporn (deutlich auf dem Überweisungsschein stehend! - dies nur mal als Anmerkung vorab)

Als braver Patient, bin ich selbstverständlich seinem Rat gefolgt und habe mich beim Orthopäden vor Ort angemeldet. Blöd, dass es ausgerechnet der Arzt war, dem einige Bekannte schon völlige Unfähigkeit bescheinigt hatten. Aber er war nun mal 20m weiter erreichbar, direkt über meinem Lieblingscafè. Es lebe die Bequemlichkeit!

In der Praxis angekommen, durfte ich (trotz Termin) erst einmal warten (siehe auch: Neulich im Wartezimmer...
Dann hatte ich ein Date mit einer jungen Ärztin, die durch bloßes Hinschauen ihre Diagnose stellen konnte. "...wo tut es denn weh?" Mit Finger auf Fuß zeig... "da". 

Eigentlich bewundernswert, aber dafür hat sie ja wahrscheinlich auch jahrelang studiert. Siegessicher wurde mir verkündet: " Das ist kein Fersensporn, sondern einfach nur eine Entzündung". Bravo. Ohne genaue Untersuchung, ohne Berührung, das nenn ich medizinisches Können.

Mir wurden Schmerztabletten verschrieben (die stehen heute wahrscheinlich schon automatisch auf den Rezepten, per Vordruck) und Fersengummis. Diese sollte ich im Sanitätshaus bekommen, die Adresse gab es auch gleich gratis dazu.

Also auf zum Sanitätshaus. Hier musste ich lediglich meine Schuhgröße angeben, alles weitere erkläre sich von selber, solange ich nicht rechts und links verwechsle. Trotz Rezept sollte ich fast 20.- € dazuzahlen, was ich schon etwas irritierend fand, aber "das sei halt so" wurde mir gesagt. Immer wieder schön wenn man fachkundig beraten wird.

Seltsamerweise kam, nach Eingabe des Barcodes von der Originalpackung, in der Apotheke meines Vertrauens, ein Betrag heraus, der noch unter dem der Zuzahlung lag. Dort bestellt hätte ich also ohne Rezept weniger bezahlt, als im Sanitätshaus mit Rezept. 

Verwunderte Nachfragen meiner Krankenkasse, der ich nach kurzer Überlegung den Vorfall mitgeteilt habe, haben folgendes ergeben: das Produkt welches ich erworben habe, sei von der Qualität her schon etwas Besonderes und das sei mir sicherlich vom fachkundigen Personal mitgeteilt und ausführlich erklärt worden.

Abgesehen davon, dass es selbst die normale Schuhverkäuferin beim Deichmann schafft, mich nach meiner Schuhgröße zu fragen, finde ich schon erstaunlich, das ein eingegebener Barcode auf einmal Produkte unterschiedlicher Qualität anzeigen soll. Bisher dachte ich immer, es gäbe pro Produkt nur einen Barcode auf der Originalpackung, aber da habe ich sicher die andere Auswahl übersehen, ich bin ja schließlich kurzsichtig.

Egal, besagte Fersengummis haben leider trotz besonderer Qualität, keinerlei Einfluss auf meine schmerzende Ferse gehabt und somit bin ich dann nach weiteren zwei Monaten Humpelei wieder zum Orthopäden. Diesmal habe ich den Namensgeber der Praxis vor mir sitzen gehabt, welcher wohl ebenfalls dieselbe hervorragende Ausbildung seiner Praxiskollegin genossen hat. Vielleicht war es ja sogar die selbe Uni.

Auch der Herr Doktor konnte von seiner Schreibtischseite aus, präzise und ohne eigene Untersuchung diagnostizieren, dass ich immer noch mit derselben Entzündung zu kämpfen hätte. Sowas dauert halt. Tage. Wochen. Monate. Ach, der dritte Monat jetzt schon? Doch schon so lange? Ja, dann machen wir doch mal Alkoholwickel, das hilft immer. Immerhin, Alkohol auf Rezept, mal was Anderes.

Nicht, dass es geholfen hätte. In meiner Wohnung hat es gerochen wie in einer Destille, mehr Wirkung hatte diese neue Schmerzbekämpfung leider nicht.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, das ich mich jobmässig verändert habe. Meine Firma, hauptsächlich in Person unseren Juniorchefs, hat mir auf meine Bitte hin, die Chance gegeben mich innerhalb des Verlages zu verändern. Von einem Job, der mir nie wirklich gelegen und selten Spaß gemacht hat, habe ich nun wechseln können zu einer Tätigkeit, die voll und ganz meinen Fähigkeiten und Vorlieben entspricht, ich kann endlich zeigen worin ich gut bin, kann mich einbringen und das Ganze macht auch noch wahnsinnig Spaß, fördert meine Kreativität und ich darf mal wieder mitdenken und das befriedigt mich sehr. 

Was aber auch unter anderem bedeutet, dass ich nicht mehr acht Stunden am Tag am Schreibtisch vor dem PC sitze, sondern eigentlich ständig auf den Beinen bin. In meinem Fall bedeutet dies leider auch ständig auf den Füßen, was zur Folge hatte, dass ich meist humpelnd durch den Verlag geschlichen bin. Das und die Tatsache, dass sich meine Cousine für eine ausgiebige München-Tour-Woche angemeldet hat, hat mich letztendlich die Geduld verlieren lassen.

Also wieder hin, zum Hausarzt meines Vertrauens, der sich meine (leicht) aggressiv gefärbte Beschreibung der letzten Wochen anhören durfte, mit der (nicht ganz sachlichen) Einschätzung der Fähigkeiten seiner Kollegen. Heraus kam eine Überweisung zum Chirurgen. Da es ja kein Fersensporn sein sollte, könnte ja doch noch ein Fremdkörper in der Wunde sein.

Zum Chirurgen bin ich dann mit den Worten rein: "Bitte nehmen Sie sofort ein Messer zur Hand und erlösen mich von meinen Qualen". Der war dann natürlich leicht irritiert und äußerte erst einmal den Wunsch mich untersuchen zu dürfen. Das war ich nicht gewohnt. 

Zur Untersuchung kam dann auch die Überweisung für die Radiologie dazu, eine Etage tiefer. Ohne Röntgenaufnahme könne man sowas nicht diagnostizieren. Kann man schon, andere Ärzte hatten von dieser medizinischen Errungenschaft immerhin nie gehört.

Der Arzt in der Radiologie war dann erstaunt, dass ich wegen einem Verdacht auf Fremdkörper zu ihm geschickt wurde. Ob denn keiner auf die Idee gekommen wäre, dass ich einen Fersensporn hätte.



Ja, was soll ich sagen. Die Idee hatte man ja, aber zwei wahnsinnig kompetente Ärzte, die langjährig in Moosach praktizierten, fanden eine Entzündung halt... Hübscher. Unkomplizierter. Billiger. Einfacher abzurechnen? 

Wutschnaubend bin ich dann zurück, zum Chirurgen, der mir kurzerhand Einlagen verschrieben hat, was seiner Meinung nach schon vor Wochen hätte passieren sollen. Er konnte zum Glück verstehen, dass ich nicht mehr zu meinem Orthopäden zurück wollte und hat mir das Rezept dann selber ausgestellt. Nachdem mein neuer Körperkumpel aber mittlerweile eine stattliche Größe von 4mm erreicht hatte in meinem Inneren, wurde ich gleich darauf vorbereitet, dass es sich durchaus noch um einen längeren Zeitraum handeln wird, in dem wir Spaß miteinander haben.

Mehr noch, es ist quasi der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Behandelt wird die Auswirkung des Fersensporns auf meinen Fuß, weggehen wird er wohl nicht mehr. Es gibt zwar Behandlungsmethoden, die ihn verringern, vielleicht auch beseitigen würden. Stoßwellen, Operation, aber niemand kann einem garantieren, dass das Problem dadurch gänzlich verschwindet, bzw. dass man nicht nach der OP andere Probleme hat, durch die Operationsnarbe direkt unter dem Fuß. Von den Kosten (Stoßwellen) die man selbstverständlich selber zahlen müßte, was definitiv nicht meine Budgethöhe betrifft, erst gar nicht zu reden. Auch die Beschreibung der Botoxspritzen, inkl. Kosten hat sich nicht nach rettendem Rezept angehört, zumal das meiste davon nur auf etwaige momentane Schmerzen eingeht, der Fersensporn bleibt ja.

Einlagen sind übrigens wirklich zu empfehlen. Man hat die ersten Wochen so starke Schmerzen beim Laufen, dass man den eigentlichen Schmerz und Grund dafür völlig vergisst. Auch eine Art der Behandlung. Zumal man jetzt nicht mehr einseitig belastet wird, denn mit Einlagen tun beide Füße gleich weh, so kann man das Jammern auf zwei verteilen. Absolut empfehlenswert!

Bevor dies eine endlose Geschichte wird, sei nur noch hinzugefügt, dass es seit Oktober einen neuen Orthopäden in Moosach gibt. Der hat mich dann tatsächlich von oben bis unten untersucht, hat mich laufen, stehen, sitzen lassen und das Ultraschallgerät angeschmissen (Glückwunsch, es ist ein Fersensporn!)

Seitdem habe ich Termine in der Physiotherapie, mache brav meine Übungen zuhause und trage die Einlagen und wenn es dann mal wieder heftiger wird, habe ich jetzt immer eine Flasche Retterspitz im Haus, das wirkt über Nacht recht gut. 

Solange ich keine Härteübungen absolviere, wie letztlich die Hochzeit meiner Freundin, komme ich relativ gut über den Tag, die Schmerzen werden weniger, das Laufen langsam besser. Aber es ist halt ein langwieriger Prozess und es wird mir sicher noch lange erhalten bleiben.

Sollte mich also jemand auserwählt haben, das neue Mitglied in seiner Wandergruppe zu werden - Danke, nein.

Braucht ihr jemanden, der sich stundenlang in Stehkneipen mit euch rumtreibt? - Danke, nein. Frau hat demnächst ein Abo auf alle Sitzplätze dieser Welt (ich komme jetzt sowieso bald in ein Alter, wo mir die freiwillig angeboten werden)

Jemand da, der noch einen Jogging-Partner sucht? Gerne, aber nur zum Aqua-Jogging.

Dafür dürft ihr schon mal die Kameraobjektive für den nächsten Sommer putzen. Dicke Weichgummi-Einlagen sehen in Flip-Flops und Riemchensandalen sicher ganz entzückend aus.

Stop! Etwas positives hat das Ganze doch. Mein Geldbeutel freut sich. Ausgiebige Shopping-Touren machen meine Füße auch nicht mehr mit. Hurra.

Egal, ich kann wieder auftreten und laufen ohne zu humpeln. Der Rest wird sich zeigen.
Alles wird gut...