Montag, 17. Dezember 2012

Wann gibt es endlich gute Ärzte auf Rezept?



Es war einmal... dummerweise kommt jetzt kein Märchen. Aber es war einmal eine Woche Ende Mai, in der ich beschlossen habe meine Schmerzen im  Fuß nicht mehr zu ignorieren, sondern brav zum Arzt zu gehen. Schmerzen werden von mir meist nach dem Prinzip des Aussitzens behandelt, das ist effektiv, funktioniert in den meisten Fällen und spart Praxiskosten (gut, das zumindest zählt bald nicht mehr als Ausrede)

Leider funktioniert das System nicht immer....

Mein netter Hausarzt hat dann auch gleich zum Messer gegriffen, er war sich wohl darüber im Klaren, dass ich so schnell nicht wieder komme, wenn er keine Sofortmaßnahmen ergreift. Zwei kleine Minikieselchen wurden kurzerhand entfernt, aber sicherheitshalber hat er mich gleich mal zum Orthopäden überwiesen, mit dem Verdacht auf Fersensporn (deutlich auf dem Überweisungsschein stehend! - dies nur mal als Anmerkung vorab)

Als braver Patient, bin ich selbstverständlich seinem Rat gefolgt und habe mich beim Orthopäden vor Ort angemeldet. Blöd, dass es ausgerechnet der Arzt war, dem einige Bekannte schon völlige Unfähigkeit bescheinigt hatten. Aber er war nun mal 20m weiter erreichbar, direkt über meinem Lieblingscafè. Es lebe die Bequemlichkeit!

In der Praxis angekommen, durfte ich (trotz Termin) erst einmal warten (siehe auch: Neulich im Wartezimmer...
Dann hatte ich ein Date mit einer jungen Ärztin, die durch bloßes Hinschauen ihre Diagnose stellen konnte. "...wo tut es denn weh?" Mit Finger auf Fuß zeig... "da". 

Eigentlich bewundernswert, aber dafür hat sie ja wahrscheinlich auch jahrelang studiert. Siegessicher wurde mir verkündet: " Das ist kein Fersensporn, sondern einfach nur eine Entzündung". Bravo. Ohne genaue Untersuchung, ohne Berührung, das nenn ich medizinisches Können.

Mir wurden Schmerztabletten verschrieben (die stehen heute wahrscheinlich schon automatisch auf den Rezepten, per Vordruck) und Fersengummis. Diese sollte ich im Sanitätshaus bekommen, die Adresse gab es auch gleich gratis dazu.

Also auf zum Sanitätshaus. Hier musste ich lediglich meine Schuhgröße angeben, alles weitere erkläre sich von selber, solange ich nicht rechts und links verwechsle. Trotz Rezept sollte ich fast 20.- € dazuzahlen, was ich schon etwas irritierend fand, aber "das sei halt so" wurde mir gesagt. Immer wieder schön wenn man fachkundig beraten wird.

Seltsamerweise kam, nach Eingabe des Barcodes von der Originalpackung, in der Apotheke meines Vertrauens, ein Betrag heraus, der noch unter dem der Zuzahlung lag. Dort bestellt hätte ich also ohne Rezept weniger bezahlt, als im Sanitätshaus mit Rezept. 

Verwunderte Nachfragen meiner Krankenkasse, der ich nach kurzer Überlegung den Vorfall mitgeteilt habe, haben folgendes ergeben: das Produkt welches ich erworben habe, sei von der Qualität her schon etwas Besonderes und das sei mir sicherlich vom fachkundigen Personal mitgeteilt und ausführlich erklärt worden.

Abgesehen davon, dass es selbst die normale Schuhverkäuferin beim Deichmann schafft, mich nach meiner Schuhgröße zu fragen, finde ich schon erstaunlich, das ein eingegebener Barcode auf einmal Produkte unterschiedlicher Qualität anzeigen soll. Bisher dachte ich immer, es gäbe pro Produkt nur einen Barcode auf der Originalpackung, aber da habe ich sicher die andere Auswahl übersehen, ich bin ja schließlich kurzsichtig.

Egal, besagte Fersengummis haben leider trotz besonderer Qualität, keinerlei Einfluss auf meine schmerzende Ferse gehabt und somit bin ich dann nach weiteren zwei Monaten Humpelei wieder zum Orthopäden. Diesmal habe ich den Namensgeber der Praxis vor mir sitzen gehabt, welcher wohl ebenfalls dieselbe hervorragende Ausbildung seiner Praxiskollegin genossen hat. Vielleicht war es ja sogar die selbe Uni.

Auch der Herr Doktor konnte von seiner Schreibtischseite aus, präzise und ohne eigene Untersuchung diagnostizieren, dass ich immer noch mit derselben Entzündung zu kämpfen hätte. Sowas dauert halt. Tage. Wochen. Monate. Ach, der dritte Monat jetzt schon? Doch schon so lange? Ja, dann machen wir doch mal Alkoholwickel, das hilft immer. Immerhin, Alkohol auf Rezept, mal was Anderes.

Nicht, dass es geholfen hätte. In meiner Wohnung hat es gerochen wie in einer Destille, mehr Wirkung hatte diese neue Schmerzbekämpfung leider nicht.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, das ich mich jobmässig verändert habe. Meine Firma, hauptsächlich in Person unseren Juniorchefs, hat mir auf meine Bitte hin, die Chance gegeben mich innerhalb des Verlages zu verändern. Von einem Job, der mir nie wirklich gelegen und selten Spaß gemacht hat, habe ich nun wechseln können zu einer Tätigkeit, die voll und ganz meinen Fähigkeiten und Vorlieben entspricht, ich kann endlich zeigen worin ich gut bin, kann mich einbringen und das Ganze macht auch noch wahnsinnig Spaß, fördert meine Kreativität und ich darf mal wieder mitdenken und das befriedigt mich sehr. 

Was aber auch unter anderem bedeutet, dass ich nicht mehr acht Stunden am Tag am Schreibtisch vor dem PC sitze, sondern eigentlich ständig auf den Beinen bin. In meinem Fall bedeutet dies leider auch ständig auf den Füßen, was zur Folge hatte, dass ich meist humpelnd durch den Verlag geschlichen bin. Das und die Tatsache, dass sich meine Cousine für eine ausgiebige München-Tour-Woche angemeldet hat, hat mich letztendlich die Geduld verlieren lassen.

Also wieder hin, zum Hausarzt meines Vertrauens, der sich meine (leicht) aggressiv gefärbte Beschreibung der letzten Wochen anhören durfte, mit der (nicht ganz sachlichen) Einschätzung der Fähigkeiten seiner Kollegen. Heraus kam eine Überweisung zum Chirurgen. Da es ja kein Fersensporn sein sollte, könnte ja doch noch ein Fremdkörper in der Wunde sein.

Zum Chirurgen bin ich dann mit den Worten rein: "Bitte nehmen Sie sofort ein Messer zur Hand und erlösen mich von meinen Qualen". Der war dann natürlich leicht irritiert und äußerte erst einmal den Wunsch mich untersuchen zu dürfen. Das war ich nicht gewohnt. 

Zur Untersuchung kam dann auch die Überweisung für die Radiologie dazu, eine Etage tiefer. Ohne Röntgenaufnahme könne man sowas nicht diagnostizieren. Kann man schon, andere Ärzte hatten von dieser medizinischen Errungenschaft immerhin nie gehört.

Der Arzt in der Radiologie war dann erstaunt, dass ich wegen einem Verdacht auf Fremdkörper zu ihm geschickt wurde. Ob denn keiner auf die Idee gekommen wäre, dass ich einen Fersensporn hätte.



Ja, was soll ich sagen. Die Idee hatte man ja, aber zwei wahnsinnig kompetente Ärzte, die langjährig in Moosach praktizierten, fanden eine Entzündung halt... Hübscher. Unkomplizierter. Billiger. Einfacher abzurechnen? 

Wutschnaubend bin ich dann zurück, zum Chirurgen, der mir kurzerhand Einlagen verschrieben hat, was seiner Meinung nach schon vor Wochen hätte passieren sollen. Er konnte zum Glück verstehen, dass ich nicht mehr zu meinem Orthopäden zurück wollte und hat mir das Rezept dann selber ausgestellt. Nachdem mein neuer Körperkumpel aber mittlerweile eine stattliche Größe von 4mm erreicht hatte in meinem Inneren, wurde ich gleich darauf vorbereitet, dass es sich durchaus noch um einen längeren Zeitraum handeln wird, in dem wir Spaß miteinander haben.

Mehr noch, es ist quasi der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Behandelt wird die Auswirkung des Fersensporns auf meinen Fuß, weggehen wird er wohl nicht mehr. Es gibt zwar Behandlungsmethoden, die ihn verringern, vielleicht auch beseitigen würden. Stoßwellen, Operation, aber niemand kann einem garantieren, dass das Problem dadurch gänzlich verschwindet, bzw. dass man nicht nach der OP andere Probleme hat, durch die Operationsnarbe direkt unter dem Fuß. Von den Kosten (Stoßwellen) die man selbstverständlich selber zahlen müßte, was definitiv nicht meine Budgethöhe betrifft, erst gar nicht zu reden. Auch die Beschreibung der Botoxspritzen, inkl. Kosten hat sich nicht nach rettendem Rezept angehört, zumal das meiste davon nur auf etwaige momentane Schmerzen eingeht, der Fersensporn bleibt ja.

Einlagen sind übrigens wirklich zu empfehlen. Man hat die ersten Wochen so starke Schmerzen beim Laufen, dass man den eigentlichen Schmerz und Grund dafür völlig vergisst. Auch eine Art der Behandlung. Zumal man jetzt nicht mehr einseitig belastet wird, denn mit Einlagen tun beide Füße gleich weh, so kann man das Jammern auf zwei verteilen. Absolut empfehlenswert!

Bevor dies eine endlose Geschichte wird, sei nur noch hinzugefügt, dass es seit Oktober einen neuen Orthopäden in Moosach gibt. Der hat mich dann tatsächlich von oben bis unten untersucht, hat mich laufen, stehen, sitzen lassen und das Ultraschallgerät angeschmissen (Glückwunsch, es ist ein Fersensporn!)

Seitdem habe ich Termine in der Physiotherapie, mache brav meine Übungen zuhause und trage die Einlagen und wenn es dann mal wieder heftiger wird, habe ich jetzt immer eine Flasche Retterspitz im Haus, das wirkt über Nacht recht gut. 

Solange ich keine Härteübungen absolviere, wie letztlich die Hochzeit meiner Freundin, komme ich relativ gut über den Tag, die Schmerzen werden weniger, das Laufen langsam besser. Aber es ist halt ein langwieriger Prozess und es wird mir sicher noch lange erhalten bleiben.

Sollte mich also jemand auserwählt haben, das neue Mitglied in seiner Wandergruppe zu werden - Danke, nein.

Braucht ihr jemanden, der sich stundenlang in Stehkneipen mit euch rumtreibt? - Danke, nein. Frau hat demnächst ein Abo auf alle Sitzplätze dieser Welt (ich komme jetzt sowieso bald in ein Alter, wo mir die freiwillig angeboten werden)

Jemand da, der noch einen Jogging-Partner sucht? Gerne, aber nur zum Aqua-Jogging.

Dafür dürft ihr schon mal die Kameraobjektive für den nächsten Sommer putzen. Dicke Weichgummi-Einlagen sehen in Flip-Flops und Riemchensandalen sicher ganz entzückend aus.

Stop! Etwas positives hat das Ganze doch. Mein Geldbeutel freut sich. Ausgiebige Shopping-Touren machen meine Füße auch nicht mehr mit. Hurra.

Egal, ich kann wieder auftreten und laufen ohne zu humpeln. Der Rest wird sich zeigen.
Alles wird gut...