Sonntag, 27. Januar 2013

Als Musik meine Sprache wurde - Unheilig

Tief beeindruckt habe ich vor einigen Tagen ein Buch aus der Hand gelegt, welches ich euch nicht vorenthalten möchte:


Geschrieben wurde es vom „Grafen“, dem Mann, der „Unheilig“ zu einem festen Bestandteil in den heutigen Charts gemacht hat.




Ich selber bin auch erst zu seiner Musik gekommen, nachdem er schon stramm die Erfolgsleiter hinaufgestiegen ist. Ich kann mich noch genau an das erste Mal erinnern, wo ich ein Lied von „Unheilig“ gehört habe. 

Es war frühmorgens im McCafè, zu einer Zeit, wo ich gerade noch den Text meines Buches, denn Geschmack meines Kaffees und sonst gar nichts wahrnehme. Die letzten Minuten vor der Arbeit, da ist noch einmal Abschalten angesagt und das lasse ich mir normal nicht nehmen, auch nicht durch die Leute oder das mitlaufende Radio im Hintergrund.

Auf einmal drang eine Stimme zu mir durch. Eine Stimme, die mich aufblicken ließ, weil ich mich auf einmal unheimlich geborgen gefühlt habe, fast wie in einer festen Umarmung von einem guten Freund. Ich konnte noch gar nicht auf den Text achten, weil dieses Gefühl so stark war, dass ich selber etwas überrascht war. Dann habe ich auf die Worte gehört und habe versucht sie mir zu merken. Ich musste sie mir merken, denn ich wollte unbedingt herausbekommen, wen ich da gerade höre.

Im Büro habe ich dann ungeduldig auf meine Arbeitskollegin gewartet, ein wandelndes Musiklexikon, der auch schon Bruchstücke reichen um dir Titel, Interpret und alles was du sonst noch wissen willst, zu sagen. Und so habe ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit „Unheilig“ gemacht und dem Song „Geboren um zu leben“.

Wie viel Erfolg der Graf heute mit seinen Liedern hat, dürfte jedem Radio-Hörer aufgefallen sein und auch im Fernsehen ist er oft präsent, bei Auftritten oder Preisübergaben.




Wie schwer es sein kann, etwas umzusetzen, was man seit der Kindheit als Wunsch verspürt. Immer wieder gegen die Umstände, gegen das Unverständnis seiner Umgebung 
anzukämpfen und doch dabei zu bleiben, an seine Wünsche zu glauben – das erfahren wir in seinem Buch.

Vom damals schon einfühlsamen „Herumklimpern“ auf der Heimorgel, bis zum anerkannten Berufsmusiker. Er beschreibt seinen Weg dorthin genauso gradlinig und ehrlich, wie man es aus seinen Texten kennt.

Mich hat das Buch sehr beeindruckt. 

Wie es jemandem gelingt immer wieder die Stärke aufzubringen seinen Weg zu gehen, obwohl er manchmal selber der größte Zweifler ist. 

Immer wieder aufstehen und sich neue Ziele setzen, trotz aller Rückschläge durchzuhalten und wieder aufzustehen. Wer wünscht sich nicht diese Kraft?

Es ist oft ein Weitergehen, ohne an sich selbst zu glauben, nur gestärkt durch den Wunsch es doch noch zu schaffen. Ich kann das gut nachvollziehen. Jeder von uns war sicher mal in ähnlichen Situationen.

Oft waren es Dinge, die er gar nicht selber beeinflussen konnte. Er hat trotzdem den Mut gehabt, sich diesen Problemen zu stellen. Immer wieder gestärkt durch die Unterstützung von Freunden und seiner Familie. Auch dazu gehört Kraft, sich am Tiefpunkt hinzustellen und zu sagen: Ich brauche euch, bitte seid da für mich.

Ich habe gelesen, dass der Graf nicht gerne über seine Sprachstörung in der Öffentlichkeit spricht. Ich bin froh darüber, dass er es in seinem Buch doch zum Thema gemacht hat. Hätte ich sonst erfahren, dass ich denselben Fehler wie wohl viele gemacht habe? Ich bin auch schon Menschen begegnet, die gestottert haben. Auch ich wollte Ihnen helfen und es leichter machen, indem ich die nicht gesprochenen Worte gesagt und die Sätze vervollständigt habe. Es tut mir leid, aber auch ich wusste es nicht anders. Ab jetzt werde ich es nicht mehr tun. Danke dafür.




Im Grunde kennt man sein Leben. Man hat von all seinen Höhen und Tiefen in seinen Liedern erfahren. Ich habe mittlerweile viele alte Titel gehört und in meine Musikbibliothek aufgenommen. Vor allem aus der Zeit, bevor ich „Unheilg“ kennenlernen durfte. 

Ich beschäftige mich selten mit Musiktexten, sondern lasse mich meist nur von den Melodien tragen, je nach Stimmung. Das hat sich durch die Musik des Grafen geändert. 
Hier höre ich zu und erkenne eigene Gefühle in seinen Texten. Liest man seine bisherige Lebensgeschichte, erfährt man auch von seinen Gedanken, wie die Lieder entstanden sind und was sie ihm bedeutet haben.
***
Man erfährt aber noch einiges mehr. Man erfährt, dass der Graf nicht vergessen hat, wie ihm immer wieder Freunde, Fans und viele andere Menschen beigestanden haben. Es spricht für ihn, dass er auch davon etwas zurückgeben möchte. 

Ich finde es nicht selbstverständlich, dass sich jemand trotz aller Erfolge und den damit verbundenen Zeitproblemen, Zeit nimmt um anderen Menschen zu helfen. 

Dass er dies wirklich tut, wissen wir aus zahlreichen Presseberichten. Es passt zu ihm und zu dem was ich bisher gelesen habe. Besonders beeindruckt haben mich die Nacht im Sterbehospiz, der sicher noch einige gefolgt sind und seine zahlreichen Besuche in Krankenhäusern.

Somit wäre „Die Grafschaft“ auch für mich ein Projekt, wo ich mir vorstellen kann zu helfen, wenn in meiner Nähe eine Veranstaltung geplant wäre. 

Ich bin eher nicht der Spendentyp, von daher haben mich die Schilderungen im Buch nicht gewundert, dass viele Hilfsorganisationen die Anfragen eines damals unbekannten Musikers abgelehnt haben, helfen zu wollen und Konzerte in deren Namen zu geben. Ich hoffe, dass einige davon auch das Buch lesen und sich heute ärgern, dass sie die Chance verpasst haben, den Grafen und Unheilig hinter sich stehen zu haben. 

Dieses Glück hat nun die Organisation „Herzenswünsche“, welche der Graf mit großem Engagement unterstützt. Nicht selbstverständlich in der heutigen Zeit und Glamourwelt, daher möchte ich es auch nicht unerwähnt lassen.

Abschließend sei gesagt, dass ich an seiner  bisher größten Veranstaltung teilnehmen durfte (das zu lesen hat mich sogar ein wenig stolz gemacht, ich gebe es zu…) , dem Konzert im Olympiapark München. Hier sind auch die Bilder entstanden, die ich selber aufgenommen habe. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein.

Jeder, der die Echo-Verleihung gesehen hat, weiß, dass der Graf in einer Kindersendung Pate gestanden hat für eine junge Künstlerin: Sarah Pisek.

Im Konzert im Olympiapark durften wir den ersten großen Live-Auftritt von Sarah miterleben. Die anfängliche Stimmung würde ich mal mit „gespannt, großzügig“ bezeichnen. Jeder wollte der jungen, blinden Frau eine Chance geben, denn immerhin trat der Graf für sie ein. Trotzdem nahmen viele die kurze Pause, um schon mal schnell über das geniale Konzert zu sprechen oder sich zu recken und zu strecken. Bis Sarah dann anfing zu singen. Auf einmal war es mucksmäuschenstill im ausverkauften Stadion und alle waren gefangen von ihrer klaren Stimme. Es war Gänsehaut pur und der tosende Beifall danach hat nicht nur Sarah umgehauen, da bin ich mir sicher.

Es war nicht die letzte Gänsehaut, die ich im Zusammenhang mit dem Grafen und Unheilig haben werde. Solange wie es ihn und seine tiefgehenden, ehrlichen Lieder geben wird, werde ich ihn begleiten.

Da bin ich mir sehr sicher.




News über Unheilig findet ihr hier:

Bestellen könnt ihr die Musik hier:


Wer lieber hört, als zu lesen, für den gibt es das Buch auch als Hörbuch:



Kommentare:

  1. Seit 1999 sammeln meine Frau und ich als Privatpersonen alljährlich Spenden für HERZENSWÜNSCHE e. V. Für dieses Jahr hatten wir uns vorgenommen, die Gesamtspendensumme von 30.000,00 € zu übertreffen.

    Imponierend bei Herzenswünsche ist, dass dieser Verein seit 1996 und da das ununterbrochen, die Anforderungen für das Spendensiegel des „ Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen / DZI (www.dzi.de) erfüllt und namhafte Initiativen, ich möchte jetzt Namentlich keine nennen, dieses Siegel ab erkannt bekommen haben.

    Jede Organisation, die sich um dieses Siegel bewirbt, muss sehr hohen Finanzprüfungsansprüchen genügen. Das Spendensiegel tragen derzeit 230 Hilfswerke von den rund 500.000 eingetragenen Vereinen in Deutschland.

    Die derzeitige Gesamtspendensumme ist nur eine Zwischensumme zu unserem neuen Ziel mit der 4 vor den Nullen.

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  2. Ich finde das klasse und hoffe ihr schafft die 4 vor den Nullen mit links :-))

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  3. Hallo Petra,

    ich mag die Musik von Unheilig sehr gerne. Bin allerdings, genau wie du es beschreibst, erst mit "Geboren um zu leben" auf ihn aufmerksam geworden. Auch das neue Album finde ich richtig gut. Ich habe auch mal in die älteren Alben hineingehört. Sie haben mich aber nicht wirklich begeistern können.

    Nun habe ich vor ein paar Tagen die Autobiografie vom Grafen gelesen. Fazit: Als Musiker beeindruckt er mich wesentlich mehr, als er es als Autor getan hat. Die ersten Seiten haben mich in den Bann gezogen. Im mittleren Drittel des Buches allerdings, dreht es sich nur darum, wann, wie und wo er neue Lieder geschrieben hat und wann er wo auf Tour war und mit wem er über neue Plattenverträge verhandeln musste. Ich habe oftmals einfach ein paar Seiten übersprungen, weil mich die Details einfach überfordert haben. Ok, es erscheint einfach notwendig zu sein, mit diesen Details den schwierigen Weg zum Star zu beschreiben, aber mich persönlich haben diese Darstellungen nicht "vom Hocker" gehauen.

    Was allerdings für mich nach Lektüre dieses Buches wirklich im Gedächtnis geblieben ist, ist die Tatsache, das seine Familie immer an ihn geglaubt hat und ihn vor allen Dingen in jeglicher Weise unterstützt hat. Seine Familie hat ihn seinen Weg gehen lassen. Das war sicherlich für die Eltern, bei dem doch etwas holprigen Werdegang des Sohnes, ein sehr schwieriger Prozess.

    Das zweite was ich sehr interessant fand, war das Kapitel in dem er beschreibt, wie schwierig es war, die Laudatio für Sarah Pisek zu halten. Schließlich war er damals schon ein Star und zweifelte trotzdem sehr an sich.

    Das dritte was ich aus diesem Buch mitnehme ist, dass ich denke er ist einfach ein sehr feinfühliger Mensch. Trotz seines Ruhms kommt er "sehr bodenständig" rüber. Er wirkt auf mich als wenn er keine Starallüren hätte. Sein soziales Engagement, was über das Geld spenden hinausgeht, zeugt davon.

    Somit komm ich dann jetzt auch zum Schluss. Einzelne Kapitel und Passagen des Buches haben dann dazu geführt, dass ich denke - auch wenn mich die Biografie zeitweise ein bißchen gelangweilt hat - er ist ein "richtig feiner Kerl" und ein toller Musiker, der seinen Weg gehen wird und uns hoffentlich noch viele schöne Stunden mit seiner Musik bereiten wird.

    LG Nicole

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  4. Ja, so ging es mir auch. Er ist jemand, den ich gerne mal "als Mensch" persönlich kennenlernen würde....

    (ich habe die Plattenaufzählungen und die Liederbiografien auch quergelesen, das muss ich leider zugeben *g*)

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