Montag, 11. Juli 2011

Das ist normal in dem Alter…

Wie immer, wenn man Urlaub hat und Vollzeit arbeitet, nutzt man diese Zeit auch für diverse Checks bei allen möglichen Ärzten. Meine Arbeitszeiten decken sich einfach nicht mit den diversen Sprechstundenzeiten, aber gemacht werden sollten sie schon  mehr oder weniger regelmäßig. Bin ja ein braves Mädchen und höre (meistens zumindest) auf den Onkel Doktor. 

Diesmal hat es auch wieder gut gepasst, da selbst die 2-Jahrestermine fällig waren und somit habe ich alles in einem Rundumschlag erledigt.

Bisher war es dann so, dass ich den Termin wahrgenommen habe und meine Ärzte immer ganz enttäuscht waren, dass sie mir nie richtig etwas antun konnten und sämtliche zusätzlich angebotene Untersuchungen oder Maßnahmen konnten mich nie locken. Da ich nun mal gesund war, habe ich nie eingesehen mein halbes Gehalt in zusätzliche Leistungen zu stecken, nur weil die angeblich noch besser feststellen sollten, dass mir nichts fehlt. 

 
Nun wird man ja tatsächlich nicht jünger und in letzter Zeit habe ich an mir doch einige kleine Veränderungen beobachtet, die zwar nicht wirklich schmerzhaft oder unangenehm waren, die einem aber trotzdem auffallen und die man dann mal im Gespräch mit dem Arzt erwähnt. Ausgehend von den vorangegangen Jahren, in denen ich mich eher weniger als ergiebige Einnahmequelle qualifiziert habe, sollte man annehmen, dass meine Ärzte sich freuen, endlich mal Fragen beantworten zu können, beziehungsweise endlich mal die Gelegenheit bekommen aktiv auf meinen Körper zugreifen zu dürfen.  Aber weit gefehlt, denn jetzt gehe ich anscheinend neuen Zeiten entgegen. 

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass ich den Zeitpunkt verpasst habe, wo man sich meinem Körper und meiner Gesundheit freiwillig gewidmet hätte. Denn jetzt auf einmal ist alles normal und dem „Alter entsprechend“.

Angefangen hat es vor einem halben Jahr, wo man auf recht aufwändige Art und Weise versucht hat herauszufinden, warum ich nicht wirklich gut und lange laufen kann. Das Endergebnis hat dann schon etwas gebracht und nach mehreren Kernspins, die, wie sich hinterher heraus gestellt hat, alle nicht wirklich nötig gewesen wären, hat man herausgefunden, dass ich „lediglich“ einen Borreliose-Schub hatte, nachdem ich vor Jahren mal gebissen wurde. Das scheint immer mal wieder vorzukommen.

Interessant war aber der Weg dahin. Nachdem wir uns kernspinmäßig über meinen ganzen Körper bewegt haben, hatte ich auf einmal meinen eigenen BRAVO-Starschnitt an Aufnahmen für die Posterwand (gibt es den eigentlich heute noch im Inneren des Heftes?)

Bei den jeweiligen Terminen durfte ich mir dann meist ähnlich klingende Monologe anhören, so in der Art: „Ja, das sind nun die und die Knochen und das hier ist die und die Körperzone, da sind schon kleinere Veränderungen zu erkennen… die sind aber normal in Ihrem Alter. Das hier sind Verkalkungen, da ist es ein wenig verstopft, aber das ist normal in ihrem Alter, es ist also alles in Ordnung“.

Die letzte Kernspin wurde mir vor ca. 2 Monaten spendiert, nachdem ich mir das Knie verdreht habe. Aussage des Arztes: „Ein gesundes Knie (oder war es ein gesunder Meniskus…?) ist daran zu erkennen, dass man ihn nicht auf den Röntgenaufnahmen sieht“. Meine Antwort: „Aber man sieht doch was?“ Ich meine, wenn ich mit meinen Megadioptrin-Werten schon etwas erkenne, dann bin ich mir auch sicher es zu sehen (ich gehöre immerhin zur Gruppe derer, die auf einem Auge gerade mal das große "A" erkennen können, aber das sehe ich so was von deutlich und scharf *g*)

Naja, auf jeden Fall kam wieder der besagte Satz: „ja klar, sie sehen den bei sich schon, weil ab einem gewissen Alter sieht der nun mal so aus. Das ist die normale Abnutzung.“ Meine Frage, ob ich da nun aufpassen müsste, oder irgendetwas gegen die Abnutzung tun könnte, wurde gleich verneint: „Nein, das ist halt so in dem Alter, damit müssen Sie leben.“

Ich will mich ja nicht beschweren, wer geht schon gerne zum Arzt und lässt sich behandeln, aber langsam entwickle ich eine Aversion gegen den Satz…

Die Besuche beim Frauenarzt erledigen sich auch in immer kürzeren Zeiten, weil man ja nicht mehr so viel untersuchen muss – wird ja eh alles nicht mehr gebraucht… in dem Alter. 

Hier haben wir heute immerhin festgestellt, dass bei mir diverse Impfungen aufgefrischt werde müssten. Das haben wir dann gleich erledigt und erst dachte ich wäre einem Familiengeheimnis auf die Spur gekommen. Ich musste schnell meine Mutter anrufen, da aus meinem Impfpass nicht ersichtlich war, was ich alles schon hatte und was nicht. Logisch, der hat ja einige Umzüge und Städte miterlebt und da hat man öfter mal einen neuen Pass anlegen müssen. Was interessieren mich schon meine Kinderkrankheiten? 

Den Arzt haben sie interessiert und somit musste Muttern zu Rate gezogen werden. Die konnte zwar  wie aus der Pistole geschossenen sagen, dass ich Windpocken, Masern und Scharlach ausgiebig (laut und quengelnd) ausgelebt habe, aber beim Mumps ist sie dann doch ins Grübeln geraten. Da musste ich natürlich sofort nachhaken, denn immerhin reden wir hier über meine Mutter. 

Meine Mutter hat es von jeher geschafft, all meine peinlichen Geschichten und sämtliche Vorkommnisse in meiner Kindheit detailgetreu und ausgiebig weiterzugeben, bevorzugt bei größeren Familienfeiern oder wenn ich jemanden mit nach Hause zum Kaffee gebracht habe. Aber ob ich Mumps gehabt habe – keine Ahnung! Ich habe ihr dann spontan unterstellt, dass sie mich nach den ersten Kinderkrankheiten weggebenden hätten in ferne Länder. Sie hat dies allerdings strickt von sich gewiesen und ich will ihr mal glauben (obwohl, das würde mein ständiges Fernweh schon erklären *g*)

Apropos Augen und Augenarzt. Auch hier haben sich die schwarzen, herumschwimmenden Fetzen vor meinen Augen, als harmlose, vom Arzt liebevoll genannte „Mücken“ herausgestellt. Keine Netzhautablösung oder ähnliche grauvolle Diagnosen, die ich mir selbst erstellt habe (immerhin habe ich ja Google und die gesamte allwissende Forenwelt der Nation, wer braucht da noch einen Arzt?)

Es ist einfach eine normale Abnutzung des Glaskörpers im Auge, die….? Na, der aufmerksame Leser weiß was nun kommt, oder? Richtig!  Die völlig normal ist in meinem Alter und damit muss man dann leben (und halt so lange blinzeln, bis man wieder klar sieht)

Jetzt habe ich eigentlich nur noch die Hautärztin vor mir, die alle zwei Jahre ein Hautscanning vornimmt, da ich der Typ blasse Rothaarige bin, die nur dann die Chance hat braun zu werden, wenn sich endlich mal alle Sommersprossen auf mir vereinen und sich zu einer braunen Grundfläche formieren – da warte ich allerdings schon seit Jahren drauf. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. 

Bei der Terminvergabe wurde ich gefragt, ob es nur die normale Untersuchung ist oder ob ich Beschwerden habe? Ich habe das verneint und lediglich erwähnt, dass einige neue Flecke dazugekommen sind und dass diese ab und zu jucken. Woraufhin mich die Sprechstundenhilfe aber gleich beruhigen konnte, ohne dass Frau Doktor mich bisher zu Gesicht bekommen hat, mit der Aussage: „Da machen Sie sich mal keine Sorgen, das sind sicher nur Altersflecken, die sind in Ihrem Alter normal  und werden jetzt öfter auftauchen und die jucken schon mal. 

Danke fürs Gespräch.

Ich weiß also nun, dass alles was mir komisch vorkommt oder alles was sich im Laufe der Zeit so verändern wird völlig der Normalität entspricht, weil das nun mal so ist in meinem Alter. 

Eigentlich ja nicht schlecht, denn es verhindert, dass man sich Sorgen macht oder über bestimmte Symptome nachdenkt. Da ich sowieso eher ein Mensch bin, der erst dann zum Arzt geht, wenn alle Eigenbehandlungen versagt haben, sollte ich doch zufrieden sein. Ich habe mich bisher nie wirklich mit meinem Körper beschäftigt und die meisten Zipperlein ignoriert, was ganz gut funktioniert hat. Die angehenden Krankheiten fühlten sich wahrscheinlich nicht wirklich ernst genommen und sind beleidigt von dannen gezogen, um sich jemanden zu suchen, der sie besser zu würdigen wusste.

Ich meine, es macht keinen Sinn, jahrelang selber auf nichts zu achten und wenn man dann damit anfängt, weil irgendetwas von den ganzen mütterlichen und ärztlichen Ermahnungen zu einem durchgedrungen ist, verärgert zu sein, weil man sich nicht ernst genommen fühlt. Obwohl ernst genommen trifft es auch nicht so ganz. 

Es ist vielleicht eher die Befürchtung, wie das dann ablaufen wird, wenn doch mal etwas nicht in Ordnung ist. Mal schnell auf Holz geklopft *tock, tock*. 

Nicht, dass ich es beschreien möchte, es ist ja niemand gerne krank. Aber ich kann nur hoffen, dass man, wenn es mal soweit ist, durchaus bereit sein wird, noch in meinen Körper zu investieren. 

Ich habe mich früher viel mit Oldtimer beschäftigt und auch selber welche gefahren. Obwohl es einem schwergefallen ist, hat sich für manche der maroden Karossen kein neuer Ersatzteile-Einsatz gelohnt. Der Materialwert wäre oft höher gewesen, als es für eine Instandsetzung gerechtfertigt gewesen wäre.

Ab einem gewissen Alter und regelmäßiger Nutzung der Fahrzeuge, musste man einfach damit leben, dass sich gewisse Reparaturen nicht mehr rentiert haben oder nur mit größerem finanziellen Einsatz zu bewerkstelligen gewesen wären.


Warum mir das gerade jetzt einfällt?

Gute Frage…





Kommentare:

  1. Claudia / Leuchtturm13. Juli 2011 um 10:14

    Danke für diesen, mich doch sehr zum schmunzeln bringenden, Beitrag :-) Ich wünsche Dir noch lange, lange eine gute Gesundheit! Und wenns mal zwickt, weißt Du ja Bescheid, woran das liegt

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  2. ja genau, das ist das Schöne daran (eigentlich brauche ich gar keine Ärzte mehr) ;-))

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