Montag, 16. Mai 2011

Jetzt auch noch bloggen?

Wenn man mal so überlegt... früher habe ich meinen Job, sprich die dazugehörigen Kundendaten noch auf Karteikarten geschrieben, der Schritt zum PC hat lange gedauert. Danach ging aber auch der Rest recht schnell: die erste eigene Datenbank und kurz darauf schon das Internet.

Auf einmal waren sie da, all die anderen, direkt bei mir im Zimmer und ich fand diese Welt faszinierend. Die Faszination hat bis heute angehalten. Ich habe alles Mögliche ausprobiert, habe mich begeistern lassen, Enttäuschung erlebt, meine Faszination zum Beruf gemacht und bei einem Onlinedienst gearbeitet.

Ich bin immer noch von vielen Möglichkeiten begeistert, einige davon ersparen mir viel Zeit, einige sind bequem, einige sind interessant und die Möglichkeit sich mit Leuten auszutauschen, die man sonst nie "kennengelernt" hätte, hat immer noch seinen Reiz.

"Kennengelernt" steht hier bewusst in Anführungszeichen, denn es ist ja nur ein virtuelles Kennenlernen, oft über tausende Kilometer hinweg. Bis auf wenige Fälle der Desillusion, habe ich so schon Menschen "getroffen" mit denen ich mich in einer Art und Weise austauschen konnte, die ich nie für möglich gehalten hätte.

Es sind auch Freundschaften entstanden, die den Sprung ins Realleben geschafft haben und die sich bis heute gehalten haben. Die intensivste Seelenverwandtschaft (normal vermeide ich dieses Wort, weil es sich so schwülstig anhört, aber hier passt es wirklich mal) verbindet mich mittlerweile über Jahre mit meiner Freundin, die mich besser kennt als ich selber. Wir haben uns damals über ein Forum kennengelernt.

Damit könnte man sich eigentlich zufrieden geben und weiterhin das Beste aus dieser Datenwelt und virtuellen Welt ziehen, es weiter effektiv für sich nutzen und seine technische Neugierde, sowie den Wissendurst befriedigen.

Aber nein, es scheint nicht mehr zu reichen. Man wird immer mehr dazu angehalten sich zu präsentieren, sich mitzuteilen und Treffpunkte zu nutzen, wo man Beides kann. Ich habe einen Facebook-Account, teile über Foursquare mit, wo ich mich ab und an befinde und habe auch schon ein wenig gezwittschert und mich bei Twitter vergnügt, obwohl ich nicht gerade ein Meister der kurzen Sätze bin.

Kommen wir also nun zur Anfangsfrage zurück: Jetzt auch noch bloggen?

Ich habe gute Blogs gelesen und habe auch welche gelesen, wo ich hinterher gedacht habe „war eine Veröffentlichung von so einem Quatsch wirklich nötig“? Zur Toleranz gehört allerdings auch, dass man jedem zugesteht, dass was einem wichtig ist zu äußern und vielleicht war es das ja. Ich möchte einfach nur die vielen Gedanken aus meinem Kopf bekommen, die da manchmal so herumschwirren. Möchte sie zu fassen bekommen und herausfinden, ob an ihnen was dran ist. Normalerweise macht man das in Gesprächen mit Freunden, wenn diese aber nicht ständig verfügbar sind oder weiter weg wohnen, ist das auch nicht immer umsetzbar. Andererseits bin ich ein Sicherheitsmensch, der ungerne zu viel von sich verrät, sich meist eine Hintertüre offen hält und versucht nur die Oberfläche von sich zu zeigen, solange er jemanden nicht gut kennt. Das ist natürlich alles nicht umsetzbar, wenn die ganze Welt mitliest und deswegen fällt mir der Gedanke, der mich an sich reizt im Moment nicht schwer und ich habe lange gebraucht, bis ich dann tatsächlich hier gelandet bin.

Jetzt ist zumindest die Anmeldung vollbracht und ich bin sehr gespannt, ob ich dieses neue Medium tatsächlich nutzen werde, ob ich mich mit dem Outen meiner Gedanken anfreunden kann und was es mir selber bringt… hier bin ich!


Kommentare:

  1. Hey, da ist deutlich mehr als nur die Anmeldung "vollbracht." Das Erstlingswerk liest sich gut, flüssig, und ich kann Dich quasi dabei hören. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung!

    LG, I.

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